{"id":1020,"date":"2017-01-18T20:05:06","date_gmt":"2017-01-18T18:05:06","guid":{"rendered":"https:\/\/thewayishappinessblog.wordpress.com\/?p=1020"},"modified":"2017-10-15T17:35:26","modified_gmt":"2017-10-15T15:35:26","slug":"torres-del-paine-ueber-laufen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/radness.de\/?p=1020","title":{"rendered":"Torres del Paine: \u00dcber(-)Laufen."},"content":{"rendered":"<div class='polaroid-gallery galleryid-1020' style='width:510px;'>\n\t\t\t<a href=\"https:\/\/radness.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/DSC_7546-1024x678.jpg\" title=\"DSC_7546\" rel=\"polaroid_2035828296\" class=\"polaroid-gallery-item showcaption\"><span class=\"polaroid-gallery-image\" title=\"\" style=\"background-image: url(https:\/\/radness.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/DSC_7546-150x150.jpg); width: 150px; height: 150px;\"><\/span><\/a>\n\t\t\t<a href=\"https:\/\/radness.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/DSC_7549-1024x678.jpg\" title=\"DSC_7549\" rel=\"polaroid_2035828296\" class=\"polaroid-gallery-item showcaption\"><span class=\"polaroid-gallery-image\" title=\"\" style=\"background-image: url(https:\/\/radness.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/DSC_7549-150x150.jpg); width: 150px; height: 150px;\"><\/span><\/a>\n\t\t\t<a href=\"https:\/\/radness.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/DSC_7552-1024x683.jpg\" title=\"DSC_7552\" rel=\"polaroid_2035828296\" class=\"polaroid-gallery-item showcaption\"><span class=\"polaroid-gallery-image\" title=\"\" style=\"background-image: url(https:\/\/radness.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/DSC_7552-150x150.jpg); width: 150px; height: 150px;\"><\/span><\/a>\n\t\t\t<br style=\"clear: both;\" \/>\n\t\t\t<a href=\"https:\/\/radness.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/DSC_7596-1024x678.jpg\" title=\"DSC_7596\" rel=\"polaroid_2035828296\" class=\"polaroid-gallery-item showcaption\"><span class=\"polaroid-gallery-image\" title=\"\" style=\"background-image: url(https:\/\/radness.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/DSC_7596-150x150.jpg); width: 150px; height: 150px;\"><\/span><\/a>\n\t\t\t<a href=\"https:\/\/radness.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/DSC_7600-1024x678.jpg\" title=\"DSC_7600\" rel=\"polaroid_2035828296\" class=\"polaroid-gallery-item showcaption\"><span class=\"polaroid-gallery-image\" title=\"\" style=\"background-image: url(https:\/\/radness.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/DSC_7600-150x150.jpg); width: 150px; height: 150px;\"><\/span><\/a>\n\t\t\t<a href=\"https:\/\/radness.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/DSC_7614-1024x678.jpg\" title=\"DSC_7614\" rel=\"polaroid_2035828296\" class=\"polaroid-gallery-item showcaption\"><span class=\"polaroid-gallery-image\" title=\"\" style=\"background-image: url(https:\/\/radness.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/DSC_7614-150x150.jpg); width: 150px; height: 150px;\"><\/span><\/a>\n\t\t\t<br style=\"clear: both;\" \/><\/div>\n\n<p>Zum Gl\u00fcck hatten die M\u00e4nner ihre Lebensgef\u00e4hrtinnen dabei. Gerade die Mittf\u00fcnfziger\u00a0mit ihren in Funktionskleidung gepressten Wohlstandsb\u00e4uchen w\u00e4ren gef\u00e4hrdet gewesen; die mit Hightechnavigationssystemen und professioneller Fotoausr\u00fcstung; die, die in ihrem Alltag kaum Chancen haben, ihren Rivalit\u00e4tstrieb auszuleben, geknechtet zu Hause und auf Arbeit; genau die, die heute noch vom 25 Kilometermarsch w\u00e4hrend ihres Wehrdienstes vor 30 Jahren schw\u00e4rmen; ja genau die scharrten mit dem Hufen und durften doch nicht mit, als ich an ihnen vorbeilief. Ihre Frauen waren Ihr und mein Gl\u00fcck: Am Ende h\u00e4tte ich doch nur Basisma\u00dfnahmen der Wiederbelebung \u00a0durchf\u00fchren k\u00f6nnen, denn mobilen Sauerstoff hatte ich nicht dabei.<\/p>\n<p>Nach wochenlangen Radfahren war ich nun mit kaputten Rad in der Hyper-Hyper-Kompensation. Die Energie wollte heraus und der dreist\u00fcndige Anstieg zur Base de las Torres im Torres del Paine Nationalpark war pr\u00e4destiniert daf\u00fcr. Vor mir waren hinreichend Wanderer, die \u00fcberholt werden wollten. Und mit jedem \u00dcberholvorgang wurde das Tempo h\u00f6her, ganz ohne mein bewusstes Zutun. Nicht, dass ich eine Chance gegen eine der Bergziegen gehabt h\u00e4tte, die mir noch in El Chalten die Berge hinauf und hinab schwebend begegnet waren. Doch f\u00fcr alle anderen Wanderer hatte es dicke gereicht. Ja, auch Herr Beyer lebt gerne seinen Rivalit\u00e4tstrieb aus; das Wunderbare beim Ausdauersport ist, dass er (der Herr Beyer) dabei niemandem wehtut. Das tun die Anderen dann Bittesch\u00f6n schon selbst.<\/p>\n<p>Am Morgen um 7:30 Uhr hatte ich den dritten oder vierten Bus von Puerto Natales zum Nationalpark genommen, wobei diese in der Fr\u00fche im f\u00fcnf Minuten-Takt abfahren. Dennoch war die Schlange am Einlass zum Park schon sehr lang. Und es war 10:30 Uhr bis ich nach einer weiteren kurzen Busfahrt am Hotel de las Torres loslaufen konnte. Die mentale Aufw\u00e4rmphase war ausreichend, ich m\u00f6chte schreiben unendlich, lang, um aus den Startl\u00f6chern zu schie\u00dfen: &#8222;Los, hopp, hopp, wir m\u00fcssen ins Wasser!&#8220; &#8211; Wie ich mich darauf wieder freue.<\/p>\n<p>Wie schon in El Chalten waren die Wanderwege technisch absolut anspruchslos, so dass letztendlich jedermann sie begehen konnte. Gerade zu Beginn waren die Anstiege moderat, so dass auch wirklich niemand abgeschreckt wurde. Und f\u00fcr die Tagestouristen blieben letztendlich kaum mehr als zwei Ziele, n\u00e4mlich der Marsch zu der Base de las Torres und die Bootsfahrt zum Grey Gletscher, so dass sich Jedermann\/2 auf dem Weg zu den Torres befand. Da die Bootsfahrt circa 100 Euro kostete, fiel das Verh\u00e4ltnis eher weiter zu Gunsten der Torres aus.<\/p>\n<p>Erst nach circa zwei Stunden, als ich auch einige der schnelleren, vor mir gestarteten Touristen \u00fcberlaufen hatte, wurde es leerer und ruhiger: Der Energie\u00fcberschuss war auf Normalma\u00df zurecht gestutzt; Herr Beyer hatte sich ausgetobt. Und wie schon in El Chalten, wurde er an der Base de las Torres mit einem freien Blick auf diese wundersch\u00f6nen Bergformationen belohnt. Ein tolles Erlebnis!<\/p>\n<p>Auf dem R\u00fcckweg begegnete mir der gro\u00dfe Ansturm der Touristen. Der Nationalpark ist mittlerweile \u00fcberlaufen und die Chilenischen Beh\u00f6rden haben vergangenes Jahr die Rei\u00dfleine gezogen: F\u00fcr die beiden Mehrtagestracks, das &#8222;O&#8220; und das &#8222;W&#8220;, ben\u00f6tigt man zwingend Reservierungen an den Campings. Erst mit den Reservierungen darf man entsprechende Wanderwege betreten. Auch die hohen Kosten f\u00fcr einen Tagesausflug (circa 20 bis 30 Euro Bus und 30 Euro Eintritt) werden die Besucherzahlen, zumindest teilweise, limitieren.<\/p>\n<p>Das &#8222;O&#8220; und das &#8222;W&#8220;, das &#8222;OW&#8220;, das &#8222;Oweh&#8220;. Es fiel mir wie Schuppen von den Augen, als ich auf dem R\u00fcckweg eine Alternativroute eingeschlagen hatte und mir viele Mehrtagestouren-Wanderer begegnet waren. An sich sind die Tagesetappen von &#8222;O&#8220; und &#8222;W&#8220; sehr kurz: 13 bis 15 Kilometer. Doch Wind und Wetter, Camping im Freien, \u00fcberm\u00e4\u00dfig und\/oder schlecht gerichtetes Gep\u00e4ck (Rucksack hinten plus vorne im Backpackerstyle, Schlafsack und Isomatte in der Hand, baumelnde T\u00f6pfe am Rucksack, et cetera) trieb etliche Wanderer an ihre Leistungsgrenzen: Anfragen zur L\u00e4nge der verbleibenden Strecke, m\u00fcde Blicke, in die H\u00e4nde gest\u00fctzte K\u00f6pfe. Immer wieder h\u00f6rte ich ein St\u00f6hnen: &#8222;Oweeeh!&#8220; &#8211; Oder bildete ich es mir ein? Nur zu gerne h\u00e4tte ich am Wegesrand ein Lazarett aufgemacht, analog zu einer Anti-Hangover-Klinik, die ein findiger Arzt in Las Vegas er\u00f6ffnet hatte: F\u00fcr 150 Euro ein s\u00fc\u00dfer Zitronentee, ein paar trockene Kekse und ein w\u00e4rmendes Gespr\u00e4ch. F\u00fcr eine Anwendung Haptologie weitere 120 Euro. Den Schwachsinn einer Glucose-Infusion h\u00e4tte ich Ihnen schon ausgeredet.<\/p>\n<p>Neben den &#8222;Oweeeh&#8220;-Wanderern Traf ich zwei weitere Typen: Diejenigen ohne Gep\u00e4ck, allenfalls mit Spiegelreflex, zumeist Amerikaner oder Europ\u00e4er h\u00f6heren Altes (Generation 70 plus), die ganz fidel \u00fcber Stock und Stein hopelten, ohne gr\u00f6\u00dfere Anzeichen von M\u00fcdigkeit. Und diejenigen mit doppeltem Gep\u00e4ck, mit vollgepackten, riesigen Rucks\u00e4cken am R\u00fccken (und eben nicht im Backpackerstyle mit Rucksack hinten und vorne), meist Einheimische, die \u00fcber die Stecke rannten, physisch top fit. &#8211; Wanderer und ihre Sherpas?! Herren und ihre Sklaven?! Neuzeitliches Herrentum?! So recht wusste ich nicht, was ich davon halten sollte: Der Anblick f\u00fchlte sich unangenehm an. Doch profitieren nicht beide Seiten? Ist es nicht eine Allegorie? Leben wir Europ\u00e4er und Amerikaner nicht im Generellen auf Lasten anderer L\u00e4nder und Kontinente dieser Welt? Saugen nicht Nestle, Coca Cola und viele weitere westliche Gro\u00dfkonzerne Geld aus der restlichen Welt?<\/p>\n<p>Auf &#8222;O&#8220; und &#8222;W&#8220; w\u00fcrde ich meinen Rucksack jedenfalls selbst tragen.\u00a0Absolut. Unbedingt. Oder ich lie\u00dfe es bleiben. Angelehnt, aber wirklich nur angelehnt, denn es ist eigentlich vermessen, also angelehnt an den Ueli Steck-Stil, w\u00fcrde ich mit leichtem Gep\u00e4ck mehr Strecke machen wollen. So w\u00fcrden die warme Dusche und das gute Essen rasch n\u00e4her r\u00fccken. Und an beiden k\u00f6nnte ich noch Gefallen finden. Anders ausgedr\u00fcckt, um der Vermessenheit treu zu bleiben, zitiere ich Jan Ullrich: Nein, niemanden betr\u00fcgen wollte ich auch nicht, worum es nun aber nicht gehen soll. Bei mir geht es schlie\u00dflich nur um die wei\u00dfe Krone, die auf dem Glas, die mir nach der k\u00f6rperlichen Bet\u00e4tigung reizvoller ist. Nein, dieser Herr Ullrich hat auch gesagt, dass das Gute an seinem Job sei, dass er schneller vorbei sei, wenn er schneller fahre. Wie sich nun diese Argumentationskette mit meinen Chile-Zusatzschleifchen\u00a0in Einklang bringen l\u00e4sst? &#8211; Heute gebe ich es auf und werde mich morgen wieder verstricken. Nach Wochen FSA macht sich nun &#8211; das Rad ist defekt, der Trieb ist weg &#8211; n\u00e4mlich M\u00fcdigkeit breit.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><i>P.S. Der Autor entschuldigt sich f\u00fcr den barocken Schreibstil und die moderne Unentschlossenheit dieses Beitrages<\/i>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zum Gl\u00fcck hatten die M\u00e4nner ihre Lebensgef\u00e4hrtinnen dabei. 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