{"id":2146,"date":"2017-06-04T15:32:12","date_gmt":"2017-06-04T13:32:12","guid":{"rendered":"https:\/\/thewayishappinessblog.wordpress.com\/?p=2146"},"modified":"2017-10-21T14:52:01","modified_gmt":"2017-10-21T12:52:01","slug":"riding-on-the-fraenken-divide","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/radness.de\/?p=2146","title":{"rendered":"Riding (on) the Fr\u00e4nken Divide."},"content":{"rendered":"<div class='polaroid-gallery galleryid-2146' style='width:510px;'>\n\t\t\t<a href=\"https:\/\/radness.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/CHX2018-1024x683.jpg\" title=\"_CHX2018\" rel=\"polaroid_35947659\" class=\"polaroid-gallery-item showcaption\"><span class=\"polaroid-gallery-image\" title=\"\" style=\"background-image: url(https:\/\/radness.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/CHX2018-150x150.jpg); width: 150px; height: 150px;\"><\/span><\/a>\n\t\t\t<a href=\"https:\/\/radness.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/CHX2061-1024x683.jpg\" title=\"_CHX2061\" rel=\"polaroid_35947659\" class=\"polaroid-gallery-item showcaption\"><span class=\"polaroid-gallery-image\" title=\"\" style=\"background-image: url(https:\/\/radness.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/CHX2061-150x150.jpg); width: 150px; height: 150px;\"><\/span><\/a>\n\t\t\t<a href=\"https:\/\/radness.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/CHX2071-1024x683.jpg\" title=\"_CHX2071\" rel=\"polaroid_35947659\" class=\"polaroid-gallery-item showcaption\"><span class=\"polaroid-gallery-image\" title=\"\" style=\"background-image: url(https:\/\/radness.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/CHX2071-150x150.jpg); width: 150px; height: 150px;\"><\/span><\/a>\n\t\t\t<br style=\"clear: both;\" \/>\n\t\t\t<a href=\"https:\/\/radness.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/CHX2083-1024x683.jpg\" title=\"_CHX2083\" rel=\"polaroid_35947659\" class=\"polaroid-gallery-item showcaption\"><span class=\"polaroid-gallery-image\" title=\"\" style=\"background-image: url(https:\/\/radness.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/CHX2083-150x150.jpg); width: 150px; height: 150px;\"><\/span><\/a>\n\t\t\t<a href=\"https:\/\/radness.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/CHX2127-1024x683.jpg\" title=\"_CHX2127\" rel=\"polaroid_35947659\" class=\"polaroid-gallery-item showcaption\"><span class=\"polaroid-gallery-image\" title=\"\" style=\"background-image: url(https:\/\/radness.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/CHX2127-150x150.jpg); width: 150px; height: 150px;\"><\/span><\/a>\n\t\t\t<a href=\"https:\/\/radness.de\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/CHX2101-1024x683.jpg\" title=\"_CHX2101\" rel=\"polaroid_35947659\" class=\"polaroid-gallery-item showcaption\"><span class=\"polaroid-gallery-image\" title=\"\" style=\"background-image: url(https:\/\/radness.de\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/CHX2101-150x150.jpg); width: 150px; height: 150px;\"><\/span><\/a>\n\t\t\t<br style=\"clear: both;\" \/><\/div>\n\n<p>Unvollkommenheit und Unvollendung sind Garanten f\u00fcr langanhaltendes Gl\u00fcck, zumindest bei allen und allem, die und das uns Freude bereiten. Vollkommenheit und Vollendung setzen unserer Freude ein rasches Ende.<\/p>\n<p>Der listige Leser, kurz LL, oder bei asiatischer Sprachpr\u00e4gung auch del listigel Lesel, wird bemerkt haben, dass Herr Beyer einmal mehr rationalisiert, beziehungsweise r\u00e4soniert, um der Bedeutungsschwere seiner Gedanken Rechnung zu tragen. Rationalisierer rationalisieren, wenn sie nicht weiter wissen. Der Schreiner haut auf den Nagel, der B\u00e4cker spuckt in den Teig, der Mediziner schaut in den Pschyrembel. Wenn es nicht weiter geht, tut jeder das, was er zu Urzeiten gelernt hat. R\u00fcckbesinnung auf Altbew\u00e4hrtes. Merkel w\u00e4hlen, Golf fahren, D\u00f6ner essen. Rationalisieren.<\/p>\n<p>Rationalisieren ist angebracht, denn uneingeschr\u00e4nkt gl\u00fccklich ist Herr Beyer mit den vergangenen vier Tagen nicht. Oder vielmehr noch nicht, da die neuronalen Rechenvorg\u00e4nge gerade am Gl\u00fcck arbeiten. Das Ziel des Rationalisierungsprozesses ist es schlie\u00dflich, Gl\u00fcck zu synthetisieren. Und das funktioniert; gut sogar! Glaubt der LL nicht? Aber nat\u00fcrlich! Es ist ja nicht auf Herrn Beyers Mist gewachsen. Nein. Aus Harvard kommt diese Erkenntnis und daher muss sie f\u00fcr gut gehei\u00dfen werden:\u00a0https:\/\/www.ted.com\/talks\/dan_gilbert_asks_why_are_we_happy?language=en<\/p>\n<p>Drei\u00dfig Kilometer fehlen Herrn Beyer aktuell zum vollkommenen Gl\u00fcck. Drei\u00dfig nicht-gefahrene Kilometer. Drei\u00dfig nahezu flache Kilometer. L\u00e4ppische drei\u00dfig Kilometer, die er nicht noch schnell hatte herunterrei\u00dfen k\u00f6nnen, nachdem er sich dreieinhalb Tage \u00fcber den Frankenweg geschunden hatte. Das letzte St\u00fcckchen des Frankenweges von Hechlingen am See nach Harburg in Schwaben musste Herr Beyer liegen lassen, seinem Zeitbudget und den Bahnverbindungen geschuldet. Die genauen Daten sollen dem LL hier erspart bleiben, k\u00f6nnen aber gerne auf Nachfrage hin \u00fcbermittelt werden. So, wie es gerne in der Forschung hei\u00dft: &#8222;Data not shown. Available on request.&#8220; Auch von einer weiteren \u00dcberlegung soll LL heute verschont bleiben: Radpuristen h\u00e4tten gar \u00fcber die Option &#8222;Bahn&#8220; die Nase ger\u00fcmpft, denn die einzige wahre An- wie auch Abreise findet mit dem Fahrrad statt.<\/p>\n<p>Mit den fehlenden 30 Kilometern muss Herr Beyer das Projekt &#8222;Riding the Fr\u00e4nken Divide&#8220; als gescheitert, beziehungsweise unvollendet, erkl\u00e4ren. Der Titel, so wird der LL bereits erkannt haben, muss daher &#8222;Riding <strong>on<\/strong> the Fr\u00e4nken Divide&#8220; hei\u00dfen. Bekannterma\u00dfen soll man die Kirche im Dorf lassen, oder so.<\/p>\n<p>Nun wird sich der LL gewiss fragen, was das Projekt &#8222;Riding the Fr\u00e4nken Divide&#8220; \u00fcberhaupt ist. Zur n\u00e4heren Erl\u00e4uterung, muss, darf oder kann Herr Beyer nochmals ein wenig abschweifen, um folgende Begriffe zu kl\u00e4ren: &#8222;Great Divide&#8220;, &#8222;Tour Divide&#8220;, &#8222;Self-supported&#8220; und &#8222;Bikepacking&#8220;.<\/p>\n<ul>\n<li>&#8222;Great Divide&#8220;:\u00a0 Der LL wird sich schon gedacht haben, dass die Idee f\u00fcr das aktuelle Projekt aus dem Land der schillernden Pr\u00e4sidenten kommt. Und tats\u00e4chlich hat die Adventure Cycling Association 1998 einen Track (sprich: Tr\u00e4ck) ver\u00f6ffentlich, der Alaska mit New Mexiko \u00fcber 4500 Kilometern auf Forstwegen und Pisten verbindet. Die Abenteuerroute des &#8222;Great Divide&#8220; war geboren.<\/li>\n<li>&#8222;Tour Divide&#8220;: Der Natur des Homo sapiens competitivus geschuldet, entwickelte sich in den vergangenen Jahren auf dem &#8222;Great Divide&#8220; ein Wettbewerb, die &#8222;Tour Divide&#8220;, ein Non-Stop-Rennen, wo es nichts, wirklich gar nichts zu gewinnen gibt. Und dennoch kloppen sich die Teilnehmer wie die Verr\u00fcckten: 13 bis 14 Tage mit 280 Kilometer am Tag fahren die Schnellsten.<\/li>\n<li>&#8222;Self-supported&#8220;: Das RAAM (Race Across America) ist wohl das bekannteste Langstrecken-Non-Stop-Rennen mit dem Rad. Nebst dem Unterschied, dass sich die &#8222;Tour Divide&#8220; auf Forstwegen und Pisten bewegt, wohingegen das RAAM auf geteerten Stra\u00dfen unterwegs ist, m\u00fcssen die &#8222;Tour Divide&#8220;-Fahrer zudem f\u00fcr sich selbst aufkommen, Essen und Schlafm\u00f6glichkeiten finden und kaufen. Die RAAM-Fahrer haben in zwei Verpflegungsfahrzeugen einen ganzen Stab an f\u00fcrsorglichen Begleitern, u.a. Freunden, Physiotherapeuten, Ern\u00e4hrungsberatern und \u00c4rzten dabei.<\/li>\n<li>&#8222;Bikepacking&#8220;: Da die &#8222;Tour Divide&#8220;-Fahrer auf sich selbst gestellt sind, m\u00fcssen sie ihr Hab und Gut, Schlafutensilien, sowie Trinken und Essen mitf\u00fchren. Die klassischen Packtaschen an Gep\u00e4cktr\u00e4gern (&#8222;Classical Biketouring&#8220;) sind auf den Forstwegen, Pisten und gerade auch Singletrails unvorteilhaft, was anderswo ausf\u00fchrlichst diskutiert wird (www.bikepacking.com; www.overnighter.de). Besser geeignet ist der &#8222;Bikepacking&#8220;-Stil, wo Taschen an den Rahmen, Sattel und Lenker mit Schnallen und Riehmen gepackt und fixiert werden.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Bei zunehmender Beliebtheit unter den Outdoormasochisten schie\u00dfen nach Vorbild des &#8222;Great Divides&#8220; nun die &#8222;Divides&#8220; wie Pilze aus dem Boden: &#8222;Italy Divide&#8220;, &#8222;Cuba Divide&#8220;, &#8222;Baja Divide&#8220;, und so weiter und so fort. Zeit, also, dass das Innovationsland Franken mitzieht und den &#8222;Fr\u00e4nken Divide&#8220; auslobt. Nat\u00fcrlich m\u00fcsste dieser den fr\u00e4nkischen Urtugenden gen\u00fcge leisten, also hadd, gandigg und dodal brrudal sein (hochdt.: hart, kantig und total brutal). Nur gut, dass Franken sich schon zeitig entsprechende Fernwanderwege zurechtgelegt hat, die versuchen, um jeden Preis, alle fr\u00e4nkischen H\u00fcgel und Anh\u00f6hen auf einem Tr\u00e4ck zu vereinen, wobei der &#8222;Frankenweg&#8220; als fr\u00e4nkischer Paradepfad herhalten kann.<\/p>\n<p>Nun musste Herr Beyer die Gedanken nur noch verbinden und herauskam das Projekt &#8222;Riding the Fr\u00e4nken Divide&#8220;: 520 Kilometer und 12000 H\u00f6henmeter auf Singletrails und Forstwegen mit dem Rad, selbstversorgend im Bikepacking-Stil. Direkte Gegener traten nicht leider an. Daf\u00fcr war im weltweiten Netz ueberflieger96 zu finden, der den Frankenweg in vier Tagen gefahren sei. Das Projekt &#8222;Riding the Fr\u00e4nken Divide&#8220; nahm seinen Lauf.<\/p>\n<p>Start war schlie\u00dflich am 31.05. gegen 14:00 Uhr. Der Zug hatte Herrn Beyer durch bayerisch Sibieren \u00fcber dessen Hauptstadt Hof in das Provinzst\u00e4dtchen Naila gebracht. Von dort war es noch \u00fcber Asphalt zum eigentlichen Startort Blankenstein in Th\u00fcringen gegangen, wo sich Rennsteig und Frankenweg treffen. Die weitere Geschichte ist dann geschwind erz\u00e4hlt:<\/p>\n<ul>\n<li>Erster Tag: bis Kronach: Nachtdienstgesch\u00e4digt war um 19:00 Uhr Schicht im Schacht. Daf\u00fcr bot sich noch ein Spaziergang durch die wundersch\u00f6ne, mittelalterliche Stadt an.<\/li>\n<li>Zweiter Tag: Kronach bis Pottenstein, 7:30 Uhr bis 20:30 Uhr: Mit zahlreichen Tragepassagen zwischen Heiligenstadt und Pottenstein. Dann war erneut Ende Gel\u00e4nde, denn das linke XTR-Pedal ist in Zwei gebrochen (&#8222;Pedal Divide&#8220;!). Zum Gl\u00fcck fand sich heimatnah ein Beyer-Taxi nach Auerbach und dort Ersatzpedale am Rad meines Bruders.<\/li>\n<li>Dritter Tag: Auerbach nach Pottenstein und dort weiter auf dem Frankenweg bis Offenbau bei Thalm\u00e4ssing, 6:15 Uhr bis 19:45 Uhr: Wirtin und Wirt haben nicht schlecht gestaunt als ich ein Radler, drei Flaschen Wasser und zwei Portionen Schaschlik bestellt hatte und danach nur noch ins Bett wollte. Sehr zuvorkommend war das Verbandsmaterial, das sie zurecht gelegt hatte, nachdem mich der kleine Hansg\u00f6rgel vom Rad gezogen hatte.<\/li>\n<li>Vierter Tag: Offenbau bis Hechlingen, 8:00 Uhr bis 15:00 Uhr: Und von dort nach Treuchtlingen zum Zug. Die letzten 30 Kilometer und 500 H\u00f6henmeter nach Harburg blieben unber\u00fchrt.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Auf die fehlenden 30 Kilometer kommt Herr Beyer gleich nochmals zur\u00fcck. Doch mag es den LL interessieren, wie es Herrn Beyer auf seinem ersten Bikepacking-Projekt (im Gegensatz zum klassischen Biketouring) erging:\u00a0 Nun, eindeutig indifferent m\u00fcsste er zu Protokoll geben:<\/p>\n<ul>\n<li>Plus: Weg von der Stra\u00dfe. Im Wald. Mit guter Luft. Mit nat\u00fcrlichem Sonnen- und Hitzeschutz. Mit ungewohnt agilem Fahrverhalten des Fahrrades trotz Gep\u00e4ck.<\/li>\n<li>Minus: Hoher Materialverschlei\u00df mit einem kaputten Pedal, einmal durchgebremsten Kl\u00f6tzen und einem halb ruiniertem Hinterreifen; und auch die Ortlieb &#8222;Bikepacking-Taschen&#8220; scheinen nicht das Pr\u00e4dikat &#8222;unverw\u00fcstlich&#8220; zu tragen, wie ihre klassichen Kollegen am Gep\u00e4cktr\u00e4ger. Ein st\u00e4ndiges Auf und Ab ohne jemals einen gescheiten Fahrrhythmus entwickeln zu k\u00f6nnen. Zudem unendlich viele Fl\u00fcgen und Miecken.<\/li>\n<li>Im Speziellen zum Non-stop-Racen: Auf dem Fr\u00e4nken Divide war Herr Beyer t\u00e4glich recht lange im Sattel gesessen. Doch klar, er h\u00e4tte schon ein bis zwei Stunden fr\u00fcher los und ein bis zwei Stunden sp\u00e4ter vom Sattel gekonnt. Sechszehn Stunden und mehr fahren die Tour Divide-Fahrer. Schlafsack und Biwacksack hatte Herr Beyer f\u00fcr derartige Aktionen mit dabei. Doch empfand er die submaximale Ausdehnung der Fahrzeiten als suboptimal. Beziehungsweise umgekehrt, um das Positive hervorzuheben: Das Gespr\u00e4ch mit Wirtin und Wirt am Gasthaus Pauckner in Offenbau, die sich des auszgehrten Radfahrers annahmen, waren ein Highlight auf der Tour. Und die wenigen Male, wo Herr Beyer den Fotoapparat z\u00fcckte, entpuppten sich rasch als Gl\u00fccksmomente. Acht bis zehn Stunden im Sattel scheinen f\u00fcr Herrn Beyer meist genug zu sein.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Das Projekt &#8222;Riding the Fr\u00e4nken Divide&#8220; ist angeknabbert, aber nicht aufgegessen. Wohl gut so: Denn wer wei\u00df, wom\u00f6glich l\u00e4sst es sich ja nochmals Aufw\u00e4rmen. Dann h\u00e4tte er nochmals seine Freude daran. Das Leben kann so einfach sein! &#8212; Rationalisierung abgeschlossen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unvollkommenheit und Unvollendung sind Garanten f\u00fcr langanhaltendes Gl\u00fcck, zumindest bei allen und allem, die und das uns Freude bereiten. Vollkommenheit und Vollendung setzen unserer Freude ein rasches Ende. 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