{"id":2518,"date":"2017-06-30T00:34:07","date_gmt":"2017-06-29T22:34:07","guid":{"rendered":"https:\/\/thewayishappinessblog.wordpress.com\/?p=2518"},"modified":"2017-10-21T14:51:01","modified_gmt":"2017-10-21T12:51:01","slug":"early-adopters","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/radness.de\/?p=2518","title":{"rendered":"Early adopters."},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<div class='polaroid-gallery galleryid-2518' style='width:510px;'>\n\t\t\t<a href=\"https:\/\/radness.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/24h-Wanderung_Rolf-4.jpeg\" title=\"24h Wanderung_Rolf-4\" rel=\"polaroid_1564030222\" class=\"polaroid-gallery-item showcaption\"><span class=\"polaroid-gallery-image\" title=\"\" style=\"background-image: url(https:\/\/radness.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/24h-Wanderung_Rolf-4-150x150.jpeg); width: 150px; height: 150px;\"><\/span><\/a>\n\t\t\t<a href=\"https:\/\/radness.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/image12-1024x683.jpg\" title=\"image12\" rel=\"polaroid_1564030222\" class=\"polaroid-gallery-item showcaption\"><span class=\"polaroid-gallery-image\" title=\"\" style=\"background-image: url(https:\/\/radness.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/image12-150x150.jpg); width: 150px; height: 150px;\"><\/span><\/a>\n\t\t\t<a href=\"https:\/\/radness.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/image10-1024x683.jpg\" title=\"image10\" rel=\"polaroid_1564030222\" class=\"polaroid-gallery-item showcaption\"><span class=\"polaroid-gallery-image\" title=\"\" style=\"background-image: url(https:\/\/radness.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/image10-150x150.jpg); width: 150px; height: 150px;\"><\/span><\/a>\n\t\t\t<br style=\"clear: both;\" \/><\/div>\n\n<p>Herr Beyer wusste es schon immer: Ob karierte Hose im Schottenrockdesign, neongelbe Windjacke oder blau-wei\u00dfe Saucony Schuhe, Herr Beyer ist ein Early Adopter. Er ist ein Trendsetter, der ganz links die Gau\u00df&#8217;sche Verteilungskurve surft. Jemand, dem die gro\u00dfen Massen folgen. Meistens. Manchmal. Nun gut, vielleicht auch eher selten. Die gro\u00dfen Massen verkennen zu oft das Genie des Early Adopters, dessen h\u00e4ufiges Schicksal es ist, bei dem ein oder anderen Trend alleine dazustehen.<\/p>\n<p>Dieses Mal ist sich Herr Beyer seiner Sache jedoch todsicher. Der Trend l\u00e4sst sich schon ausmachen. Er ist nicht mehr zu \u00fcbersehen: Die Cracks sind voll dabei. Und in diversen Fachjournalen sind bereits ausf\u00fchrliche Lobpreisungen zu finden. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis der P\u00f6bel folgen wird. Dem listigen Leser wird nun klar sein, dass vom Vierundzwanzigstundenwandern die Schreibe ist.<\/p>\n<p>Der deutsche Ausdruck, der der L\u00e4nge derartiger Aktionen hinreichend Nachdruck verleihen k\u00f6nnte, wird wieder einmal als zu sperrig angesehen, weswegen sich die Community dem Englischen bedient: &#8222;Full-day-hiking&#8220;, &#8222;Extreme hiking&#8220;, &#8222;XXL hiking&#8220; oder &#8222;Walk around the clock&#8220; werden Vierundzwanzigstundenwanderungen genannt, wobei letzterer Ausdruck nicht suggerieren sollte, dass um eine Uhr gelaufen wird. Das w\u00e4re gar in Herrn Beyer&#8217;s Relationen verr\u00fcckt. Doch wer glauben mag, dass so etwas unm\u00f6glich sei, sollte die unglaubliche Geschichte von Amanda Coker inhalieren:\u00a0http:\/\/www.bicycling.com\/rides\/records\/is-amanda-coker-for-real.<\/p>\n<p>Alles Fake? Nein, nein. Herr Beyer hat durchaus Belege: Nebst Herrn Beyer f\u00fchrt auch Herr Kammerlander, der wohl an den Folgen der Himmalaya-Hypoxie leidet, Touristen 24 Stunden in die Irre &#8211;\u00a0<em>oder sollte der Autor besser schreiben: In den Irrsinn?<\/em> (http:\/\/www.kammerlander.com\/berge\/24-stunden-wanderung\/). Herr Kammerlander bietet gar Achtundvierzigstundenwanderungen an, dem Herr Beyer mit seinem neuen Winterprojekt &#8222;Die l\u00e4ngste Nachtwanderung des Jahres&#8220; entgegnen wird. Und das Wandermagazin &#8222;Wandermagazin&#8220; listet f\u00fcr das Jahr 2017 circa 20 Vierundzwanzigstunden- und Extrem-Wanderungen auf, wobei die Tendenz steigend sei. Es ist also nur noch eine Frage der Zeit, bis Spiegel, FAZ und S\u00fcddeutsche berichten werden.<\/p>\n<p>Dabei st\u00f6\u00dft sich Herr Beyer am Begriff &#8222;extrem&#8220;: Bereits Lothar Leder, der erste Sub-8-Stunden-Finisher auf der Ironmandistanz, hat sich zu seiner Zeit \u00fcber die Extremsportler, die an Doppel-, Dreifach-, oder Zehnfachironmans teilnehmen, lustig gemacht. Da war Amanda Coker zwar schon geboren, aber erst zehn Jahr alt. H\u00e4tte sich Herr Leder besser zur\u00fcckgehalten, denn wer wei\u00df, was schon extrem ist.<\/p>\n<p>Und noch etwas ist nicht in Herrn Beyer&#8217;s Sinne: Da werden gro\u00dfe Wanderevents mit Vierundzwanzigstundenwanderungen, mutma\u00dflich vielen Teilnehmern und Rundumversorgung mit hyperkalorischer Sportlerkost ausgeschrieben, was jedoch den Kerngedanken des Vierundzwanzigstundenwanderns verw\u00e4ssert. Da ist man eben wieder bei der Deutschen Wohlstandslethargie angelangt, mit der auch der deutsche Sport gepudert und gepampert im Mittelma\u00df versinkt. &#8222;Loofen is kee Fun!&#8220;, wusste schon einer der Osttrainer, die Waldemar Cierpinski zum Olympiadoppelsieger peitschten.<\/p>\n<p>Ob es bei &#8222;unser Waldemar&#8220; alleine die Peitsche war, das vermag Herr Beyer nat\u00fcrlich nicht zu beurteilen. Eintreten kann Herr Beyer nur f\u00fcr seinen Kompagnon Rolf und sich selbst: Beide haben auf ihrer Vierundzwandzigstundenwanderung ausschlie\u00dflich mit Fl\u00fcssigzucker und Coffein nachgeholfen. Da die Effekte mal wieder erstaunlich prompt und ausgepr\u00e4gt waren, wundert es Herrn Beyer schon, warum das Cola-Zeugs noch nicht verboten ist. Von 0 auf 1000 Worte\/min in 3:36 Minuten! Das Cola-Zeugs schie\u00dft in die Birne und l\u00e4sst jeden Hungerast ergr\u00fcnen. Und das mindestens sechsmal in 24 Stunden, auch wenn eine gewisse Toleranzentwicklung gegen Ende der Tour festzustellen war.<\/p>\n<p>&#8222;Fun&#8220; hatten Rolf und Herr Beyer nur bedingt. Aber &#8222;Fun&#8220; war ja nicht die Mission, beziehungsweise &#8222;Kein Fun&#8220; war das ausgegebene Ziel. Und das gelang den beiden durchaus, selbst wenn ihr heeres Ziel von den fr\u00e4nkischen Mitb\u00fcrgern regelm\u00e4\u00dfig sabotiert wurde. Die F\u00fc\u00dfe brannten, die Beinmuskulatur krampfte, die Schultern schmerzten und Rolf und Herr Beyer w\u00e4hnten sich angekommen, als nicht wieder einer dieser Franken die beiden in &#8222;Fun&#8220; und Gl\u00fcckseeligkeit zur\u00fcckholte:<\/p>\n<p>(1) Da waren die netten Bedienungen des Stempferhofs, die auch zu sp\u00e4ter Stunde noch T\u00fcr und Tor \u00f6ffneten, die durstenden Wanderer beherbergten und ihnen vom Fl\u00fcssigzucker mit Coffein boten. Und dann noch gratis Ananas und N\u00fcsse verteilten. Eine Unversch\u00e4mtheit! Die T\u00fcre h\u00e4tte verschlossen bleiben m\u00fcssen und der Wasserhahn an der Hauswand w\u00e4re mehr als hinreichend gewesen.<\/p>\n<p>(2) Dann lag dieser Sack auf einer Bank am Wegesrand, mitten in der Fr\u00e4nkischen, gr\u00fcn schimmernd im abgedimmten Stirmlampenlicht. Der sah auch im ersten Moment wie ein M\u00fcllsack aus. Ein M\u00fcllsack. Wer da wohl wieder seinen Dreck! &#8211; Oh hopla: Der M\u00fcllsack hatte ein Gesicht und sprach: &#8222;Guten Abend.&#8220;<\/p>\n<p>(3) Der Chef und der &#8222;Georg!!!&#8220; im Hotel-Gasthof-Reseng\u00f6rg waren ein kongeniales Situationskomikduo, das nebst der Unterhaltung auch ein unversch\u00e4mt g\u00fcnstiges, ausgiebiges und leckeres Fr\u00fchst\u00fccksbuffet bot. Und daf\u00fcr akzeptierten sie gar Trinkgeld, wo das Buffet mit 10,30 Euro schon viel zu preiswert bemessen war. F\u00fcr k\u00fcnftige Preissteigerungen f\u00fchlen sich Rolf und Herr Beyer \u00fcbrigens nicht verantwortlich.<\/p>\n<p>(4) Und schlie\u00dflich die liebe Anni im Gasthaus Fuchs in Weingarts, die aufgrund ihrer Presbyakusis dem Anliegen der beiden zun\u00e4chst nachgekommen war, sie eben nicht zu bedienen. Auch sie hielt am Ende nicht stand: &#8222;Wollt ihr a Bier?&#8220; &#8222;Naaa-, der junge Mann braucht an Tsugger!&#8220; &#8222;Wooos, an Tsugger hat der?&#8220; Auch Anni bot Fl\u00fcssigzucker mit Coffein zu einem unversch\u00e4mt g\u00fcnstigen Preis. &#8222;Wieviel macht des Anni?&#8220; &#8222;Zwo &#8211; zwo &#8211; drey &#8211; zwo -&#8230;- nein Mark!&#8220; <em>(Annmerkung des Autors: &#8222;nein&#8220; im Fr\u00e4nkischen ist doppeldeutig und kann &#8222;nein&#8220; oder &#8222;neun&#8220; bedeuten.)<\/em><\/p>\n<p>Sie allesamt, die Stempferhofer, der Sack, der Chef und Georg sowie die Anni, haben das Vierundzwangzigstundenhardcorewandern von Rolf und Herrn Beyer sabotiert, so dass doch kurze Phasen Spa\u00df und Gl\u00fcck aufkeimen konnten. Recht schlimm war das Vierundzwanzigstundenwandern also leider nicht, und umso weniger im Nachgang.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Herr Beyer wusste es schon immer: Ob karierte Hose im Schottenrockdesign, neongelbe Windjacke oder blau-wei\u00dfe Saucony Schuhe, Herr Beyer ist ein Early Adopter. Er ist ein Trendsetter, der ganz links die Gau\u00df&#8217;sche Verteilungskurve surft. Jemand, dem die gro\u00dfen Massen folgen. Meistens. Manchmal. Nun gut, vielleicht auch eher selten. 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