{"id":449,"date":"2017-01-21T04:37:10","date_gmt":"2017-01-21T02:37:10","guid":{"rendered":"https:\/\/thewayishappinessblog.wordpress.com\/?p=449"},"modified":"2017-10-15T17:29:40","modified_gmt":"2017-10-15T15:29:40","slug":"sonderausgabe-wind","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/radness.de\/?p=449","title":{"rendered":"Sonderausgabe: Wind."},"content":{"rendered":"<div class='polaroid-gallery galleryid-449' style='width:510px;'>\n\t\t\t<a href=\"https:\/\/radness.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/DSC_7658-1024x678.jpg\" title=\"DSC_7658\" rel=\"polaroid_247317795\" class=\"polaroid-gallery-item showcaption\"><span class=\"polaroid-gallery-image\" title=\"\" style=\"background-image: url(https:\/\/radness.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/DSC_7658-150x150.jpg); width: 150px; height: 150px;\"><\/span><\/a>\n\t\t\t<a href=\"https:\/\/radness.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/DSC_7685-678x1024.jpg\" title=\"DSC_7685\" rel=\"polaroid_247317795\" class=\"polaroid-gallery-item showcaption\"><span class=\"polaroid-gallery-image\" title=\"\" style=\"background-image: url(https:\/\/radness.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/DSC_7685-150x150.jpg); width: 150px; height: 150px;\"><\/span><\/a>\n\t\t\t<br style=\"clear: both;\" \/><\/div>\n\n<p><i><b>Bildmaterial:<\/b><\/i><\/p>\n<p><i>(1) Der erste wirkliche Kontakt mit dem Wind im Norden. Drei\u00dfig Kilometer von Chiuchiu nach Calama, leicht absch\u00fcssig, auf Teer, in drei Stunden. Das F\u00e4hnchen geh\u00f6rt zu einer Erinnerungsst\u00e4tte f\u00fcr einen Verungl\u00fcckten.<\/i><\/p>\n<p><i>(2) Die Savory-Fahnen sind ganz h\u00e4ufig vor Tante-Emma-L\u00e4den gehisst. Es handelt sich um das Sch\u00f6ller Chiles. Hier in Cerro Castillo, wo ich 95 Kilometer Gegen- und Seitwind in sieben Stunden bew\u00e4ltigte.<\/i><\/p>\n<p><i>(3) Wind auf einem See im Torres del Paine Nationalpark. Drei Tage sp\u00e4ter habe ich auf eben jenem See das erste Mal einen Wirbel(Sturm) bewundert, doch den Fotoapparat zu sp\u00e4t gez\u00fcckt.<\/i><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><b>Teil 1:<\/b><\/p>\n<p><i>Der folgende erste Teil des Beitrags ist didaktisch schlecht aufgebaut. Der Autor wird erst auf den Putz hauen, um dann alles relativieren. Doch man muss manchmal die Kirche im Dorf lassen. Und was ein kleiner Schritt f\u00fcr den Autor ist, muss noch lange kein gro\u00dfer Schritt f\u00fcr die Menschheit sein.<\/i><\/p>\n<p>Die Leserschaft stelle sich einen Wackelpudding auf einem Sch\u00fcttler, oder besser auf einem R\u00fcttler, im Labor vor und sie erh\u00e4lt ein realistisches Modell von meinem Leichtgewichtszelt im patagonischen Wind. Der Wind bl\u00e4st, st\u00f6\u00dft, zerrt an der d\u00fcnnen Plane. Das Gest\u00e4nge biegt sich und biegt sich und dann gleich wieder in die andere Richtung. Get\u00f6se, Trommeln und Schlagen unterlegt das Erlebnis musikalisch. Und der Beyer liegt inmitten seiner Taschen, seines zerstreuten Equipments und seiner W\u00e4sche, alles im Zelt ausgebreitet, so dass es nicht davon getragen wird und zugleich das Zelt festh\u00e4lt. Eingeh\u00fcllt ist er in einen dicken Schlafsack, denn sein Leichtgewichtszelt ist luftig. Und Ohrst\u00f6psel erlauben ein wenig Schlaf. Eigentlich m\u00fcsste er auch dem Druck seiner Blasenwand nachgeben, doch dazu m\u00fcsste er hinaus, im Zelt bef\u00e4nde sich dann ein Sandkasten und das w\u00e4rmende Mikroklima im Schlafsack w\u00e4re futsch. Und dieses bedrohlich wirkende Geschehen spielt sich in ganz gesch\u00fctzter Umgebung auf dem Camping El Relincho in El Chalten, zwischen Str\u00e4uchern und Windf\u00e4ngen, ab. Man stelle sich das Gleiche nur in The Middle of Nowhere, also\u00a0in der patagonischen Pampa, vor: ohne sch\u00fctzende W\u00e4nde, ohne Baum oder Strauch.<\/p>\n<p>Wenn ich vom Wind in Patagonien berichte, komme ich nicht um her meine eigene Komfortzone abzustecken. So wundersch\u00f6n Patagonien ist, so ungem\u00fctlich wird es mit dem Wind. Dabei bin ich mittlerweile v\u00f6llig schmerzfrei, was stundenlanges Fahren im F\u00fcnfer bis Zehner Schnitt auf dem Rad gegen den Wind anbelangt; auch wenn die Pampa ein stetig identisches Bild bietet, so gef\u00e4llt mir dieses recht gut. Was mir hingegen zu schaffen macht, das was au\u00dferhalb meiner Komforzone liegt, das was mir bisweilen Angst macht &#8211; das ist die Ungewissheit, die der Wind in dieser einsamen Gegend mit sich bringt: Wie weit komme ich? Erreiche ich mein Tagesziel? Finde ich ein windgesch\u00fctztes Pl\u00e4tzchen f\u00fcr mein labiles Zelt? Was passiert bei einem Defekt? Kann ich einen Defekt bei diesen Bedingungen \u00fcberhaupt beheben? &#8211; Nun gut, es gibt hier viel Auto- und Busverkehr, so dass stets schnell Hilfe zur Stelle w\u00e4re und daher keine Gefahr best\u00fcnde. Doch wohl, so richtig wohl, f\u00fchle ich mich nicht.<\/p>\n<p>Gespr\u00e4che mit den Einheimischen tragen nicht unbedingt zu meiner Beruhigung bei: &#8222;Mucho viento!?&#8220; &#8222;N\u00f6, ist eigentlich ganz normal. Bei Sturm messen wir 260 bis 280 Stundenkilometer. Vergangenes Jahr hat es im Park zwei Reisebusse umgeweht.&#8220; Auch der Blick auf die Wettervorhersage beruhigt kaum, denn verlassen kann man sich darauf nicht: F\u00fcnf Minuten lang ist Windstille und in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Minuten weht es den Radler aus dem Sattel.<\/p>\n<p>Und ganz klar, die Bus- und Wandertouristen kriegen von den Dramen auf dem Rad in der Pampa kaum etwas mit. Das Spazieren in den St\u00e4dten (El Calafate, Puerto Natales, er cetera), das Wandern im teilbewaldeten Nationalpark, das Fahren mit den komfortablen Bussen in der Pampa geben nicht ann\u00e4hernd die Erfahrungen wieder, die der Reiseradler macht. Auch nicht, wenn der Wind dem Wandertouristen die Autot\u00fcr aus der Verankerung rei\u00dft, ihm die Gore-Tex-Jacke davontr\u00e4gt\u00a0oder den Urin beim Pinkeln ins Gesicht bl\u00e4st, weil er die Windrichtung nicht bedacht hatte. &#8211; Ich kann diese Behauptung aufstellen. Ich habe es zuletzt zur Gen\u00fcge ausprobiert &#8211; also nicht die letzteren drei Beispiele, sondern das Spaziern, Wandern, Busfahren.<\/p>\n<p>Dabei habe ich nur den kleinen Windschein gemacht und diesen nicht einmal vollst\u00e4ndig zu Ende gef\u00fchrt (angelehnt an den kleinen und gro\u00dfen Bergschein der Erlanger Bergkirchweih, <i>Anmerkung des Autors<\/i>). Die Strecke El Chalten nach Punta Arenas, so wird einhellig von Reiseradlern berichtet, wird von der Strecke Punta Arenas nach Ushuaia durchaus getoppt. Und diejenigen, die die gesamte Ruta 40 fahren, w\u00e4ren mit denjenigen Helden zu vergleichen, die auf der Bergkirchweih, dem G\u00e4ubodenfest und dem Oktoberfest gro\u00dfe Scheine ablegen. Chapeau vor den Radlern, die sich bis Ushuaia durchschlagen oder von dort kommen. Das ist gro\u00dfe Klasse! Ich habe nur am patagonischen Wind geschnuppert und fand das durchaus beeindruckend.<\/p>\n<p>Und so sehr ich die Leistungen meiner Radlerkollegen bewundere; es gibt Individuen, nat\u00fcrlich gibt es die!, die unserer aller Leistungen in den Schatten stellen. Im Rahmen der Vorbereitung dieses Beitrages bin ich einmal mehr auf den Vortrag von Dame Ellen MacArthur auf TED gesto\u00dfen, die f\u00fcr eine Zeit den Rekord f\u00fcr die schnellste Weltumsegelung hielt. Der Leserschaft seien diese 20 Minuten sehr nahe zu legen. Pr\u00e4dikat: &#8222;Absolut empfehlenswert&#8220;.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><b>Teil 2:<\/b><\/p>\n<p><i>Der Blogbeitrag zum Wind in Chile beziehungsweise in Patagonien reift bereits seit Langem. Viel hat sich seit den ersten Versuchen getan. Der Wind, gerade in Patagonien, hat Herrn Beyer Demut gelehrt. Damals, im Norden, war er noch \u00fcberzeugt, gegen den Wind ank\u00e4mpfen zu k\u00f6nnen. Jetzt wei\u00df er, dass er mit dem Wind beziehungsweise den Windbedingungen fahren sollte. Der gangbare Weg. Den Lesern mit dem langen Atem m\u00f6chte der Autor Ausz\u00fcge eines dieser ersten Entw\u00fcrfe nicht vorenthalten.\u00a0<\/i><\/p>\n<p>Der Wind hat eine schwere Bedeutung f\u00fcr jeden Reiseradler in Chile. Er bestimmt \u00fcber Sieg und Niederlage, Gl\u00fcck und Ungl\u00fcck. Nat\u00fcrlich ist es nicht so, dass nicht andere Faktoren auch eine Rolle spielten: H\u00f6he, Hitze, Regen, Schnee und vieles mehr. Nichts, aber rein gar nichts, kann dem Reiseradler derma\u00dfen den Tag versauen, wie der Wind. Zum besseren Verst\u00e4ndnis muss der europ\u00e4ische Leser, Nord- und Ostseebewohner vielleicht ausgenommen, sich folgender Euphemismen im Klaren sein:<\/p>\n<p>Windstille = gibt es nicht, nie erlebt!<\/p>\n<p>Brise = ordentlicher Wind, schon kein Spa\u00df mehr<\/p>\n<p>frische Brise = Sturm, zum Kotzen<\/p>\n<p>Sturm = Hurricane, Gefahr<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aufgrund der Bedeutungsschwere f\u00fcr den Reiseradler hat der Wind immensen Einfluss auf Kunst und Kultur. Im Folgenden sind einige Beispiele aus\u00a0einer Serie zukunftsorientierter Kinofilme angef\u00fchrt:<\/p>\n<p>&#8211; May the wind be with you.<\/p>\n<p>&#8211; Don&#8217;t underestimate the wind.<\/p>\n<p>&#8211; For my enemy is the wind, and a powerful enemy it is.<\/p>\n<p>&#8211; Close your eyes. Feel it. The wind&#8230; it has always been here. It will hit on you.<\/p>\n<p>&#8211; Now, I know there is something stronger than fear &#8211; far stronger. The wind.<\/p>\n<p>&#8211; I felt\u00a0a great disturbance in the wind.<\/p>\n<p>&#8211; The wind can have a strong influence on the weak-minded.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bildmaterial: (1) Der erste wirkliche Kontakt mit dem Wind im Norden. Drei\u00dfig Kilometer von Chiuchiu nach Calama, leicht absch\u00fcssig, auf Teer, in drei Stunden. Das F\u00e4hnchen geh\u00f6rt zu einer Erinnerungsst\u00e4tte f\u00fcr einen Verungl\u00fcckten. (2) Die Savory-Fahnen sind ganz h\u00e4ufig vor Tante-Emma-L\u00e4den gehisst. Es handelt sich um das Sch\u00f6ller Chiles. 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