Ei(l)Meldung: Chilenischer Messi entdeckt. Bayern zeigt Interesse.

Es braucht kein Fahrrad, um sich anzustrengen und Aufmerksamkeit zu gewinnen. Allein es reicht die Box, in der das Fahrrad an den Händler oder den Endkunden geliefert wird. Man schleppe zweier dieser Boxen durch eine Stadt und man wird ordentlich ins Schwitzen kommen und viele freundliche Blicke ernten. Manchmal entdeckt man auch den Ausdruck von Mitleid in den Gesichtern der Passanten. Auch das gleicht den Erfahrungen beim Radfahren. Aber was soll’s: Das sind alles Ignoranten!

Nachdem ich von Ponzius zu Pilatus gerannt bin, also von Radläden zu Sportläden und zurück, konnte ich an einer Baustelle im Norden von Punta Arenas ein paar Kartons für meinen Rückflug mit dem Rad ergattern. Sie waren alles andere als ideal, aber mit Scheibchen-Technik hätten sie sich brauchbar zusammengefügen lassen, zumal ich noch in Puerto Natales zwei dicke Rollen Tesa-Film erstanden hatte. Also habe ich die Kartons zu meiner neuen Bleibe, der Hospedaje Familiar von Jose, zwei Kilometer weit durch die Stadt geschleppt.

Glücklich war ich dennoch nicht. Auf der Homepage macht LATAM keine expliziten Angaben zur Notwendigkeit einer Box. Ich zog wieder los: Der Plan war den nächsten Radladen zwei Kilometer südlich anzusteuern und, falls dies nicht ergiebig sein würde, das LATAM Office zur Auskundschaftung der Flexibilität der Airline. Zum Glück standen bereits vor dem gut geführten Bikeshop „Bikeservice“ einige leere Kartons von Scotträdern, worin, es kommt noch besser, auch Verpackungsmaterial zu finden war. Alles Müll, nachdem die neuen Räder ausgepackt waren. Auch diese Kartons waren für meinen großen Reiseradrahmen zu klein, so dass ich gleich zwei für eine spätere Fusion erneut etwa zwei Kilometer zur Hospedaje schleppte.

Dort häufte sich bereits ein schöner Stapel Kartons und Verpackungsmaterial an. Was Jose dazu sagen würde, dass ich ihm seinen Hinterhof mit Müll zustelle, weiß ich noch nicht. Doch ich hab einen gut: Er hat überbucht und für mich ist heute kein Zimmerchen frei. Daraus resultiert im Gegensatz zum Flieger leider kein Upgrade in die Businessclass oder in die Suite, sondern ein Downgrade in das Wohnzimmer, beziehungsweise den Eingangsbereich. Zu Gute halten muss ich ihm, dass er mich spontan zwei Tage früher aufgenommen hat. Das war dem kaputten Rad geschuldet, denn die Leserschaft weiß, dass Herr Beyer in seinen Träumen immer noch strampelt. Jose jedenfalls meinte, wir fänden schon ein Plätzchen für Dich. And here we go!

Auf den Bikekartons von Scott steht übrigens: „No shortcuts“. Ich finde, da sollte Scott nacharbeiten. Meine Vorschläge wären: „Pro detours“ oder „Solo detours“. Ich hätte gar ein paar Ideen für eine Image-Kampagne. Jedoch baut Scott, soweit ich weiß, keine vernünftigen Reiseräder, sondern hat sich auf sündhaft teure Plastikschüsseln mit integriertem Trinkreservoir verschrieben. Da wüsste ich gar nicht, wo ich die Correga-Tabs hineinwerfen sollte, wenn mal wieder Apfelschorle oder dieser andere gelb-braune Saft aus Bayern mitgeführt wurden: Nein, Eigenurin meine ich nicht! Warum sollte ich mir den hinunter kippen, wo sich der Körper schon die Mühe gemacht hat, alles Brauchbare vom Unbrauchbaren zu trennen. Jedenfalls kommt so ein neumodisches Scott-Dings nicht in Frage. Der Trend, wenn man davon sprechen kann, geht zum Archaischen: Stahl, Rahmenschaltung und Baumwolltrikots: L’eroica! Herr Beyer wird alt, hängt zunehmend an der Tradition und schwelgt in der Vergangenheit. Eine Schande, dass er den jährlichen Zehnjahresglühweinretreat bei C.&A. in E. verpasst hat. Lässt sich das nachholen?

 

Der Artikel war bereits geschrieben, da ergaben sich noch erfreuliche Entwicklungen, die hier nachträglich zusammengefasst sind:
– Nachdem Jose wohl mehr Mitleid mit mir und meiner Bleibe hatte als ich selbst, hat er mich mit seinem Pathfinder spontan durch die Stadt kutschiert. Sehr nett!
– Bei unserer Rückkehr erfuhr er, dass ein Gast kurzfristig abgesagt hatte. Yipeee! Ich bekam ein schönes Bett.
– Über meine Kisten hat er gelacht.
– Er möchte mich mit seinem Geländewagen zum Flughafen fahren, wobei ich noch nicht ganz glaube, dass der Karton hinein passen wird. Dennoch: Guter Mann!
– In der Zwischenzeit besuchte ich die Isla Magdalena, wo sich Magellanpinguine die Spezies Homo sapiens genauer ansehen können. Man beachte die Braunfärbung eines Bildes, wo Homo sapiens gegen Wind und Sand kämpft. Bei der Ankunft eine Brise Wind, keine fünf Minuten später Sturm.

One Comment

  1. Mutti

    Dahast Duja tatsächlich noch richtig Stress vor Deiner Heimreise.
    Aber wir freuen uns alle wenn Du wieder in „good old Germany“ bist. Ist ja auch nicht das schlechteste.
    Aber musst Dich warm anziehen. – 18 °
    Liebe Grüße
    Mutti

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