Lung Gom Pa.

ASICS: „Anima sana in corpore sano.“ Auf Deutsch: „Ein gesunder Geist steckt in einem gesundem Körper.“ Die Allgemeinheit versteht darunter, dass ein gesunder Geist nur in einem gesunden Körper gedeiht. Doch Ch. Beyer wundert sich, ob auch das Umgekehrte gilt, also ob ein gesunder Körper einen gesunden Geist braucht. Natürlich interessiert sich Ch. Beyer nicht für den gesunden Normalzustand, sondern möchte wissen, ob ein Körper auch gut gedeihen kann, wenn er einen kranken Geist beherbergt, also wenn die Steuerzentrale nicht mehr alle Tassen im Schrank hat.

Jedenfalls, um zunächst eine solide Grundlage für weitere Hirngespinnste zu schaffen, auch wenn sich diese ohne Grundlage oft viel besser spinnen lassen, man möge sich nur an unsere Politiker erinnern, holt Ch. Beyer nochmals aus, im transzendierenden Sinne, versteht sich. Decimus lunius luvenalis, kurz Juvenal, ein bereits von uns gewichener Schreiberkollege von Ch. Beyer aus dem 1. Jahrhundert nach dem Herrn, wusste festzuhalten: „Orandum est ut sit mens sana in corpore sano.“ (Satiren X 356) Übersetzt meinte er also: „Beten sollte man darum, dass ein gesunder Geist in einem gesunden Körper sei.“

Also unentschiedene Wechselwirkung, so deutet Ch. Beyer die Aussage von Juvenal. Ein gesunder Geist braucht einen gesunden Körper, braucht einen gesunden Geist, braucht einen gesunden Körper, braucht einen gesunden Geist, und so weiter und so fort. Spätestens nach diesen Gedankenkreisen ist der Geist verkrankt und errückt. Da hätte sich Herr Juvenal bitteschön festlegen können. Naja, der Sportartikelhersteller ASICS hat es für ihn übernommen: Der gesunde Geist kann nur einem gesunden Körper stecken, der selbst wiederum nur in ASICS Schuhen stecken kann.

1977 ist der Sportartikelhersteller ASICS aus der Fusion der Konzerne Onitsuka Tiger und GTO Sports Nets & Sportswear hervorgegangen. Dabei findet Ch. Beyer, dass gerade der Name des ersteren Teilkonzern sehr ansprechend gewesen war und hätte beibehalten werden sollen. Für die Gestaltung des Kunstnamen ASICS wurde dann der lateinische Originalspruch von „Mens sana in corpore sano“ in „Anima sana in corpore sano“ umgewandelt. Ob das nun rechtens ist? Vielleicht sollte irgendeine Universität sich dieses Falles annehmen, eine Plagiatsprüfung durchführen, und ASICS den Doktortitel entziehen. Irgendeiner wird von denen schon einen Doktortitel haben. Ist doch wahr! Denen geschieht doch recht! Bestimmt stecken die japanischen BWLer dahinter. Und viel schlimmer hätte die japanische Aussprache des Akronyms MSICS im Vergleich zu ASICS auch nicht mehr sein können: Ashikkusu.

Ursprünglich wollte Ch. Beyer nicht den kranken Kopf auf dem gesunden Körper diskutieren. Schon weiß er auch nicht mehr, wie er dahin abschweifen konnte, aber die „Henne & Ei“-Frage war wohl zu attraktiv, um sie am Wegesrand liegen zu lassen. In diesem Zusammenhang ist Ch. Beyer heute noch von Dr. Pisetsky, seinem ehemaligen Chef an der Duke University, geprägt. Ch. Beyer war damals auf Werbekampagne für seine neue Weltformel: „Eat happy, be healthy!“ Er propagierte in diesem Zusammenhang die Durchführung der Kuchendiät: Glücklich sein ist gesund. Kuchen macht glücklich. Also ist Kuchen gesund. Dr. Pisetsky hat die Formel hochwissenschaftlich geprüft und war zu dem Schluss gekommen, dass es natürlich auch anders herum sein könnte: Glücklichsein macht Appetit auf Kuchen, beziehungsweise glückliche Menschen essen mehr Kuchen. Schließlich hat er sich gar als ersten Probanden zu Verfügung gestellt und wusste nach einem Kongresswochenende zu berichten: „Christian, ich hab Deine Kuchendiät ausprobiert. Sie funktioniert nicht!“ Da hatte Ch. Beyer aber schon eine Antwort parat: Die Dosis macht das Gift und keine wirksame Therapie ist ohne Nebenwirkung!

Nun aber zum eigentlichen Thema. Ch. Beyer bereitet sich gerade auf das upcoming Microadventure vor: „Franconian Mystics: Auf den Spuren der Mystiker vom Staffelberg zum Walberla.“ Es soll sich um einen 70 Kilometerlauf handeln, bei dem es, die Leser werden erstaunt sein, darum gehen wird, ihn zu gehen. Mit Würde, versteht sich.

Um gerade letzterem Aspekt gerecht zu werden, begann Ch. Beyer mit einer klassischen Vorbereitungsmethode, nämlich die der Marathoni. Nicht falsch verstehen, es handelt sich nicht um Pasta und Carboloading, sondern um ein Marathon-Vorbereitungsprogramm. Der moderne Marathonläufer frisst nämlich Kilometer, erneut im transzendierenen Sinne zu verstehen, um nicht wie der bekannte kriegische Griecher am Ende tot umzufallen. Und damit sich der Marathoni die gefressenen Kilometer nicht wieder hochwürgt und herauskotzt, frisst er sie sehr langsam. Er schlurft quasi im Kriechgang dahin. Und eben jenes Konzept des langsamen Kilometerfressens hat sich Ch. Beyer zu Nutze gemacht, nur eben in Wanderschuhen und nicht in Turnschuhen.

Nun sind 70 Kilometer mehr als 42,195 Kilometer und Ch. Beyer suchte nach Optionen, seine Vorbereitungen zu optimieren. Eine ausgewählte Gruppe an Ultras, so bezeichnen die Marathonis, die nicht genug bekommen, laufen bis zu 100 Kilometer in Biel und manchmal mehr. Ist deren Antwort auf die prolongierten Herausforderungen also das Fressen von noch mehr Kilometern im Training? Ch. Beyer ist nicht überzeugt. Ob man jetzt den Körper 10 oder 20 Stunden Fettstoffwechseltraining am Stück machen lässt, wird die Metabolik wohl nicht wesentlich verbessern und den Bewegungsapparat erst recht nicht, wobei das bei dem ein oder anderen Ultra wohl auch schon egal scheint. „Eiern“ oder „Wackeln“ sind wohl treffender als „Laufen“. Anyway, ein anderes Trainingskonzept musste also entdeckt werden.

Und tatsächlich machte ein beliebter Leser, P.L. aus W., Ch. Beyer auf ein spannendes Trainingskonzept aufmerksam: Lung-Gom-Pa aus dem buddhistischen Tibet. Ein wissenschaftlicher Artikel in englischer Sprache beschreibt die Eckdaten dieses Konzeptes wie folgt:

  • Seclude yourself in a remote cave for three years.
  • Spend most of your time practicing breathing exercises and chanting Buddhist mantras.
  • Practice leaping upward from a cross-legged sitting position without using your hands. Repeat ad infinitum.
  • Return to the world three years later, light as a feather, in a heightened state of consciousness.
  • Run vast distances. Win races. (Known side effect: By this point in your training, the act of winning will have become meaningless to you).
  • Quelle: https://trailrunnermag.com/people/culture/the-lung-gom-pa-runners-of-old-tibet.html

Der Artikel beschreibt weiter, dass die buddhistischen Mönche mit dieser Vorbereitung mit Leichtigkeit 200 Kilometer am Tag laufen, Zweihundert! Und das ohne jegliches Kilometerfressen im Training. Das brachte Ch. Beyer natürlich auf den Geschmack und er schätzt sich mehr als glücklich, dass es in der fränkischen Schweiz eine ausreichende Anzahl an komfortablen Höhlen gibt. Die Atemtechniken und die Buddhistischen Mantras dürften auch keine wirkliche Herausforderung darstellen. Lediglich der Schneidersitz macht Ch. Beyer zu schaffen. Die auf Jahre hin fürs Schwimmen, Laufen und Radfahren optimierte Muskulatur beschwert sich ununterbrochen über die völlig unnatürlich Körperhaltung. Doch vielleicht lässt sich die Methode etwas abwandeln und ein Sessel in die Höhle stellen.

P.S. Das Beitragsbild ist aus dem WWW und stammt von Jeremy Collins.

 

 

 

 

 

2 Comments

  1. Siglinde Beyer

    Wirst Du jetzt Buddhist ?
    rein bildlich könnte ich mir das vorstellen,
    nur etwas zu groß geraten !
    Eines Tages wirst Du bei uns im Garten nächtigen und den Morgen mit Deinen Übungen beginnen. Früher hast du solche Leute immer
    etwas belächelt.!
    Aber so bleibe ich auch im Seniorenalter immer am laufenden , nur Latein lerne ich nimmer.

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