Perspektivisch.

Ich seh was, was Du nicht siehst. Und das ist rot. Infra-rot. – *Pause* – Ach geh, zumindest der technikaffine Leser dürfte jetzt mal applaudieren! – *Pause* – Aber naja, die heutige Jugend, Wohlstandslethargie, Merkelwähler. Da ist nichts mehr zu holen. Mit „Eich, do ko ma koan Kriech mehr g’winna!“

Infra-rot Fotografie: Sensationell, dass das überhaupt geht! Faszinierende Technik, die tiefgreifende psychophilovelosophische Fragen aufwirft. Jawohl: Und täglich grüßt das Murmeltier! Vortrefflich ließe sich nämlich in die Themen „Wahrnehmung“, „Glaubensätze“ und „Weltanschauung“ einsteigen. Es ließen sich die Fragen beantworten, wie der Blinde die Welt sieht, oder der mit der Rot-Grün-Schwäche, oder der andere, der gerade neben dem Leser steht/sitzt/liegt, oder auf ihm, oder unter ihm, oder auch nicht. Und Alfred Korzybski mit seiner Allgemeinen Semantik, „The map is not the territory“, ließe sich heranzerren. Undosweiterundsoweiter, und so fort.

Jedoch, es ist Ruhewoche. Da kann der Leser keine Höchstleistungen erwarten. Deswegen präsentiert der Autor nur ein paar Bildchen, die er mit seinem neuen Spielzeug, einem Infrarotfilter vor der Kamera, geschossen hat. Ein faszinierendes Teil. Fast zu 100% radfahrerfreundlich. Denn es lässt sich dann am Besten einsetzen, wenn man ansonsten am Besten nicht fotografiert. Das ist genau dann, wenn man am Besten auf dem Rad sitzt, nämlich bei Sommer, Sonne, Sonnenschein. Bei vollem mittäglichen Licht. Und wenn es gerade grünt. „Wood-Effekt“ heißt das, nicht wegen des Chlorophylls der grünen Bäume, sondern wegen Herrn Wood. Doch das ist nur angelesen.

Das einzig Radfahrerunfreundliche an dem Ding ist, dass es einen Ständer braucht, respektive ein Stativ, wie es in der Fotografie heißt. So ein Ständer beim Radfahren ist kacke. Der Leser möge nur an das Zusatzgewicht und die Veränderung des Schwerpunktes auf dem Rad denken. Das kann schmerzhaft enden. Doch notwendig ist der Ständer, wegen der langen Belichtungszeiten. Denn die Kameras, nahezu alle, haben einen Antiinfrarotfilter vor ihrem Chip, um infrarotes Störlicht zu filtern. Nun, man könnte an dieser Stelle eine altgediente Kamera sezieren und den Filter resezieren, um dann erneut mit kurzen Belichtungszeiten und ohne Ständer zur Tat schreiten zu können. Doch nötig ist das nur bedingt. Der Antiinfrarotfilter vor dem Chip arbeitet ebenso gut wie ein ausgelutschtes Präservativ, oder die amerikanisch-mexikanische Grenze. Er lässt noch etwas durch, was schlussendlich reicht. Und weil es nur wenig vom Infrarotlicht ist, sind längere Belichtungszeiten notwendig und damit ein Ständer, um auch wirklich beim Fotografieren knackscharf zu bleiben.

Apropos „knackscharf“! – Aber nein, wenn der Leser nun erwarte, dass der Autor zur Erlanger Bergkirchweih abschweifen könnte, so täuscht er sich gewaltig. Auch dieses Jahr konnte der Autor nicht feststellen, ob das Langos an der Bergkirchweih scharf war. Es geht schließlich und ausschließlich um Fotografie. Und hier lässt sich mit der entsprechenden Software ausgezeichnet „Schärfe“ generieren. Doch das hat, wie auch im echten Leben, seinen Preis, nur quasi invers: Schärfe führt zu Rauschen, wohingegen ein Rausch nach scharf verzerrt. Und Grau ist alle Theorie und nachts sind alle Katzen grau. Ach, wie sich wieder alles so schön fücht.

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