Being Christoph Columbus.

In uns allen steckt doch ein kleiner Entdecker. Genauso ein kleiner Denker, ein kleiner Genießer, ein kleiner Liebhaber, ein kleiner Narzist, ein kleiner Sadist, ein kleiner Masochist und viele kleine Menschen mehr. Und schön ist es, wenn wir in die Haut all dieser kleiner Menschen bei Zeiten schlüpfen und darin aufgehen können. Dann können wir uns nach Belieben quälen oder quälen lassen, uns ver- und uns lieben, das Leben genießen und darüber nachdenken. Ja, ja, schon gut, der kleine Denker scheint tatsächlich bei einigen Mitbürgern von zu Hause ausgerissen zu sein und man hofft vergebens, dass er sich nur versteckt hat.

Der kleine Entdecker in uns hat es jedoch schwer. Der sitzt in der Ecke, den Kopf gesenkt, die Schultern in sich gefallen und bläst Trübsal. Ihm ist nämlich das Spielzeug abhanden gekommen. Da hatten es die vorausgehenden Generationen der kleinen Entdecker in den großen Entdeckern besser. Die konnten sich noch nach Belieben austoben: Amerika erobern, die Magellan-Straße durchschiffen und den Everest erklimmen. Es gab noch ausreichend unentdecktes oder unentdeckt geglaubtes Gebiet, wo die großen Entdecker ihr erobertes Revier markieren konnte. Die kleinen Entdecker in den großen Entdeckern waren entzückt.

Und jetzt? Jetzt steht schon überall ein Fähnchen von einem großen Entdecker. Was können also die aktuellen potenziellen großen Entdecker tun, wenn sie ihre kleinen Entdecker für Neues begeistern wollen? Herr Beyer meint genau zwei Dinge:

  1. Auf frisch verschneitem Grund die ersten Spuren ziehen. Da fühlt sich der potenzielle große Entdecker gleich wie Christoph Columbus, Roald Amundson oder Ernest Shackleton. Und wenn die Spur im knirschenden Weiß gezogen ist und der potenzielle große Entdecker sich umdreht und seine Spuren im Schnee wieder findet, dann freut sich der kleine Entdecker im potenziellen großen Entdecker, dass an diesem Tag gewiss noch niemand an diesem Ort sein Revier markiert hat. Und der potenzielle große männliche Entdecker gibt in diesen Momenten dem Drang seines kleinen Entdeckers nur allzu gern nach. Da frägt sich der kleine Denker dann, ob das Markieren genetisch verankert oder physiologisch bedingt ist. Doch über kleine Denker will Herr Beyer jetzt nicht schreiben.
  2. Gefahrenvoller, wagemutiger, aber auch spannender ist es, wenn potenzielle große Entdecker in die Haut des kleinen Entdeckers schlüpft und sich auf die eigentliche Reise, die nach innen begibt. Die Fährte im Schnee ist am nächsten Tag überschneit oder abgetaut; die Reise im Inneren hinterlässt bleibende Spuren. Und Verlaufen kann ordentlich weh tun! Selbst wenn es heißt, „Die Zeit heilt alle Wunden“, vergisst unser Unterbewusstes aber nichts. Doch Stehen bleiben und Verharren ist auch keine Wahl; der Drang liegt in der menschlichen Natur. Der kleine Entdecker wird uns daran erinnern.

 

Noch einige praktische Anweisungen. Sollte die Reise im Inneren mal wieder zu beschwerlich sein und sich eine Fahrt durch eine verschneite Schneelandschaft zur Ablenkung anbiedern, dann gelten hinsichtlich Erstbesteigung oder Erstbefahrung in Nordbayern folgende Regeln:

  • Erlangen und die Metropolregion: Wer nicht innerhalb der ersten 3 Minuten durch den Schnee gemöhrt ist, hat verloren. Mindestens 20 Spuren nehmen einem jegliche Entdeckerfreuden.
  • Fränkische Schweiz: Hier haben Entdecker bis zu 3 Stunden Zeit. Die Dorfbevölkerung führt ein hartes und karges Leben und zeigt keinerlei Interesse an Entdeckerleistungen. Spätestens nach 3 Stunden fallen jedoch die Nürnbercher ein und wollen Ihnen gleich tun.
  • Oberpfälzer Wald: Hier gilt die Dreitagesregel. Auch nach 3 Tagen können unberührte Schneeflächen erobert werden. Entdecker sollten jedoch bedenken, dass bei Notfällen erste Hilfe verspätet eintreffen kann. Zudem sollten Entdecker Bildtafeln gebrochener Extremitäten mit sich führen, um im Falle eines Notfalles, den Ersthelfern das Problem verständlich zu machen. Die Sprachbarriere darf nicht unterschätzt werden.

6 Comments

  1. Siglinde Beyer

    Von wem Du nur diese Entdeckerambitionen hast.
    Ich glaub Du strebst doch noch eine Karierre
    entweder zum Kolumnisten oder Psychologen an,
    an Lesern oder Patienten dürfte es sicherlich nicht fehlen.
    Derweil muss ich mich leider mit den einfachen Dingen des täglichen Lebens beschäftigen.
    Essensbeschaffung, Betreuung von Ehemännern und großen Kindern und Tieren,äh natürlich kleinen Tieren.

    • Andi

      Da sag ich nur Traum von Amsterdam!
      Derweil muss ich mich leider mit den einfachen Dingen des täglichen Lebens beschäftigen.
      Essensbeschaffung, Betreuung von Ehefrauen und großen Kindern, Beschäftigungsinitiativen für Mamis und Urlaubsplanungen.

    • Das ist hausgemacht, liebe Mutti. Essen wird überbewertet, Ehemänner und große Kinder können sich selbst beschäftigen, oder sollen sich mit kleinen Tieren beschäftigen. Dann hättest Du den ganzen lieben Tag Zeit.

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