Sein und Schein: Abschlussbericht Kuba.

Auch Herr Beyer kann es nicht lassen und schlägt in die gleiche Kerbe wie die Tourismusbranche: Eine kleine Auswahl der schönsten Bilder der schönsten Flecken Kubas landen auf der Webpage, nicht der Müll am Straßenrand, der abgehungerte Hund aus dem kleinen Dorf oder das verfallende Haus in Havanna. Ein ausgeglichenes Fazit sähe anders aus; doch vielleicht gelingt es ihm, dieses mit Worten zu zeichnen:

Gefallen haben Herrn Beyer die unglaublich netten, aufgeschlossenen und hilfsbereiten Menschen, das Leben auf den Straßen der Dörfer und Städte, die bunten, fotogenen Farben, die verkehrsarmen Straßen, die netten Casas particulares, das warme, wenn auch schwüle, Klima, die hübschen Oldtimer und die hübschen Frauen, und der leckere Rum und die Zigarren.

Gewöhnungsbedürftig waren vielerorts die Armut der Menschen, der Mangel an sauberen Trinkwasser, der Dreck in den Orten nach dem Regen, die Aufdringlichkeit mancher „Schlepper“ die mit der Vermittlung von Touristen an Unterkünfte und Restaurants ihr Geld gemacht haben, auch wenn der Bestreben mehr als nachvollziehbar sind. Im Tourismus steckt eben mit Abstand am meisten Geld.

Bildung ist Macht, heißt es. Die Kubaner sind wohl eines der bestausgebildeten Völker und doch arbeiten Ärzte als Wächter, Lehrer als Touristenguides, Professoren als Wirte. Oder sie ziehen gleich ins Ausland. Ganze Familien sind über die Welt hinweg verstreut. Es steckt also doch noch ein Fehler im System.

Es ist diesem netten Volk nur zu wünschen, dass es der kubanischen Politik gelingt, auch wirtschaftlich ins richtige Fahrwasser zu gelangen. Ansonsten ist vieles gut, vieles für uns Westeuropäer dort zu entdecken und Kuba gewiss eine Reise wert. Nur die Bilder, die die Tourismusbranche und Herr Beyer verkaufen, provozieren womöglich falsche Erwartungen an Kuba.

 

 

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