Die längste Nachtwanderung des Jahres.

Von gestern auf heute war die längste Nacht des Jahres. Das ist den Lesern gewiss bekannt. Für Erlangen, das sagt zumindest das Orakel Google, bedeutete das einen Sonnenuntergang am 21.12.2017 um 16:18 Uhr und einen Sonnenaufgang am 22.12.2017 um 8:11 Uhr, also circa 16 Stunden Dunkelheit. Überprüfen konnte das Herr Beyer nicht, denn es war diesig. Es war so diesig, dass die Stirnlampe nicht einmal den Schlamm unter seinen Füßen darzustellen vermochte. Wie sollte er da die unter- und aufgehende Sonne erkennen? Das in den Wäldern um Erlangen, Forchheim und Ebermannstadt viel Schlamm war, das konnte Herr Beyer jedoch mit all seinen Sinnen wahrnehmen: Den kalten Schlamm an den Füßen spüren, sein Quarken bei jedem Schritt hören und die katastrophalen Folgen an Schuhen, Hose und Jacke am nächsten Tag sehen. Nur das Schmecken ließ Herr Beyer aus.

Nein, nein, eine Schlamm- und Schlickwanderung war eigentlich nicht geplant, sondern eine Nachtwanderung, nämlich die Längste des Jahres. Die Planung sah folgende Eckpunkte vor: Weihnachtsmarkt Erlangen – Effeltrich – Forchheim – Retterner Kanzel – Vixierkapelle – Burg Feuerstein – Ebermannstadt – Wallerturm – Zuckerhütl – Burg Neideck. Und das Beste: Es hatten sich gar Freiwillige gemeldet, die so verrückt waren, Herrn Beyer zu begleiten. Sollten sie jetzt krank sein oder werden, dann, so muss leider konstatiert werden, sind sie selber Schuld. Was auch immer Schuld ist. Anyway, Herr Beyer bedankt sich ganz herzlich bei seinen Mitleidenden, die das Unterfangen zu einem angenehmen Happening machten. Das war grandios!

Besonderem Dank gilt Herrn Janka, der zu Herrn Beyer’s neuem Vorbild avanciert ist. Er ist der einzige, der die Tortur von Anfang bis Ende durchstand, beziehungsweise durchstapfte. Mit allen Höhen und Tiefen. Der Mann ist um die 50, rödelt auf Arbeit wie ein 40-Jähriger, sieht aus wie ein 30-Jähriger und wird von 20-Jährigen Kolleginnen angehimmelt. Und dann stapfte er noch eine volle Nacht, fast 16 Stunden, mit Herrn Beyer, der gerade aus dem Kuba-Survival-Camp zurück gekommen war und damit physisch wie psychisch zu Höchstleistungen aufdrehen konnte, durch den Fränkischen Schlamm. Herr Beyer war und ist fortwährend begeistert!

Das Bildmaterial von der längsten Nachtwanderung des Jahres fällt leider dürftig aus. Aus Gewichtsgründen hat Herr Beyer auf Spiegelreflex und Stativ verzichtet und damit Recht behalten: Der Sprühregen DD Nebel waren so garstig, dass sie die Sicht auf wenige Zentimeter beschränkten und jegliche Fotografie zu einem Ding der Unmöglichkeit machten. So war von einem schönen nächtlichen Ausblick an der Retterner Kanzel nichts zu sehen. Herr Janka und Herr Beyer sahen nicht einmal die Kanzel, obwohl sie nur zwei Meter von ihr entfernt standen. Es gibt daher nur Prä- und Postbildmaterial (s.o.) Dabei zeigt das Präbild den Kollegen Keller beim Ankleiden der Expeditionsausrüstung. Die acht Schichten im Zwiebelschalenprinzip sollten ihn vor Wind und Wetter in der sogenannten Todeszone, nahe Forchheim, bewahren. Bei Betrachtung des Bildes möchte Herr Beyer darauf hinweisen, dass die Unschärfe den Limitationen der Kamera geschuldet ist. Es sollte nicht der Eindruck entstehen, dass Herr Keller Geschwindigkeit beim Umkleiden aufgenommen hätte. Das Postbild zeigt Herrn Janka in einer seiner Deep-Trance-Meditations-Phasen. Herr Beyer analysiert und testet soeben, ob eben jene Übungen der Jungbrunnen Herrn Jankas sind. Er befürchtet aber, dass, wie so meist in der Medizin, die Erklärung in Herrn Jankas äußerst günstigen Erbgut liegen muss.

 

Zuletzt, so wird Herrn Beyer beim Schreiben soeben bewusst, ist er seinen Leser wohl noch einen Abriss über die Ereignisse des nun letzten Microadventures des Jahres 2017 schuldig. Sie seien chronologisch und partiell stichpunktartig wie folgt zu rekapitulieren:

16:18 Uhr: Treffpunkt am Weihnachtsmarkt Erlangen: Stellvertretende Klinikdirektoren, Oberärztinnen, Vice Chief Regional German Post Medical Officers und (fast) promovierte Physikerinnen sind pünktlich und scharren mit den Hufen. Wer lässt auf sich warten: Die Studentin! Aber, wer kann, der kann’s. Nicht wahr liebe Frau Rexin!

17:30 Uhr: Die obgenannten Kapazitäten hatten dem Alkohol oder dem Kinderpunsch gefrönt und können nun los. Ms. Rexin has finally arrived.

19:30 Uhr: Die Leuchtstäbe, die Herr Beyer verteilt hat, um kein Gruppenmitglied zu verlieren, werden unnötig. Frau Schmidt hält die Gruppe akustisch hinreichend zusammen.

22:30 Uhr: Ankunft in Forchheim. Die Gruppe trennt sich. Herr Janka und Herr Beyer verlieren treue Gefährtinnen und Gefährten. Nun tragen sie allein all die Last, die mit dem Ring verbunden ist. — Oha, falscher Film.

23:00 Uhr: Herr Janka und Herr Beyer kehren in der Lohmühl (ohne e!) ein, um sich vor dem Marsch durch die Finsternis zu stärken. An ein Wohlbefinden in der Kneipe ist kaum zu denken. Zu viele dunkle Gestalten = Forchheimer. — Herr Beyer kommt aus dem Film nicht heraus.

24:00 Uhr: Frodo Beutlin und Sam Gamdschie sind auf dem Weg zum Forchheimer Kellerwald. Auf dem Weg dorthin begegnet Ihnen Arwen. Der letzte Lichtblick bis zum Sonnenaufgang am nächsten Tag.

1:00 Uhr: Frodo und Sam erreichen die Rettener Kanzel. Dicker Nebel versperrt den Blick auf Mordor, äh die Metropolregion.

2:30 Uhr: Frodo und Sam finden Zuflucht in der Bergkapelle, die Schutz vor Regen und Wind bietet. Ein letztes Gebet. Die Gefährten ziehen weiter.

5:00 Uhr: Ein Licht leuchte Ihnen, Herr lass sie wandern in Frieden. Frodo und Sam erreichen die Vixierkapelle. Der weihnachtlich beschmückte Weihnachtsbaum verwandelt den ihn umgebenden Nebel in warmes Orange. Aber nur bildlich, versteht sich. Sonst war es kalt.

6:45 Uhr: Innerer Druck und Bürde auf die Gefährten steigen. Sie erhöhen das Tempo, sie rauschen durch die Nacht, nur überholt von wenigen auf Rädern reitenden Schwarzgestalten. Bald erreichen sie das schützende EBS.

7:00 Uhr: Frodo und Sam kommen zur blaunen Lagune. Eine tiefe, innere Erleichterung kehrt ein. Die Gefahren sind abgewandt. Nach einem kurzen Stopp geht es noch in den Kaufladen EDKA, wo die heimische Bäckerei Fuchs mit reichhaltigen Leckereien wirbt.

8:10 Uhr: Nach dem Marsch zur Anlegestelle ist Frodos und Sams Auftrag erfüllt. Ein Bus, noch ein Bus und dann ein Zug bringen Herrn Janka und Herrn Beyer zurück in das heimische Erlangen.

 

P.S. Ziele sind Leuchttürme und keine Häfen. Die aufmerksamen Leser werden bemerkt haben, dass Herr Janka und Herr Beyer von der ursprünglichen Route abwichen. Morast, Schlick und Schlamm verzögerten das Vorankommen erheblich. Die Stationen waren daher: Erlanger Weihnachtsmarkt – Effeltrich – Forchheim – Retterner Kanzel – Bergkapelle – Vixierkapelle – Ebermannstadt.

P.P.S. Es tauchen doch noch Bilder der Aktion an sich auf, die nun der Galerie angefügt werden.

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