Cemento o ripio?

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Fehler in Rechtschreibung, Ausdruck und Grammatik bitte ich heute zu entschuldigen. Das Wetter war blendend, die Strecke wunderschön, die Beine gut: Der routinierte Leser wird wissen, dass es also ein langer Tag wurde. Am Ende standen 167 Kilometer und 1400 Höhenmeter zu Buche, davon, und dazu gleich mehr, ungefähr 100 Kilometer Ripio. Entsprechend spät kam ich in Junin de los Andes an. Geld abheben ging hier nicht, wie wohl sooft in Argentinien mit ausländischen Kreditkarten, so dass ich das Portmonee schonen wollte und auf ein Camping mit Wifi am Fluss gefahren bin. Wer bis jetzt aufmerksam mitgelesen hat, wird sich denken können, dass mich am Abend beim Schreiben viele kleine Biester quälen.

In medias res also: „Cemento“ steht für asphaltiert und „ripio“ für Piste oder Schotterweg, worunter sich die Leserschaft sicherlich etwas vorstellen kann. Einleuchtend scheint auch, dass auf Asphalt die Reibung geringer ist und das Rad schneller läuft. Außerdem schüttelt es ein wenig auf Schotter. Das ist in der schönen Heimat genauso.

Es wird jedoch komplexer, denn „Ripio“ ist nicht gleich „Ripio“. In den vergangen Tagen war ich viel auf Ripio unterwegs und fand es super. Es passt einfach wunderbar zu der rauhen Landschaft und ich werde ein wenig ausgebremst, da es sich nicht stetig wie aus Asphalt treten lässt. Das tut mir manchmal ganz gut. Vera, Richard und Carsten, drei liebenswerte Reiseradler aus Münster, mit denen ich gestern gemeinsam am Camping in Pehunia war, hatten auf einer anderen Strecke jedoch viel, sehr viel geflucht. Zu Recht. Die kleine Ripio-Fibel erklärt warum:

– Festgefahrene Erde: Fast wie Asphalt. Gefühlt schneller. Für Kilometerfresser. Ein paar wenige kurze Abschnitte heute.

– Fester Sand, gerne feucht und festgefahren: Super cool. Das Rad „schwimmt“ etwas, aber braucht null Federung. So heute um den Lago Alumine. Wunderschön.

– Loser Sand. Zum Kotzen. Schieben und Zerren. Fahren geht höchstens mit einem Fatbike. Kurze Abschnitte gab es von San Pedro zu den Geysiren nach El Tatio.

– Feiner Schotter: Ebenfalls ein toller Untergrund. Viele der Waldwege in Deutschland zeichnen sich dadurch aus. Feinst säuberlich hergerichtet. Es gibt das Ganze auch mit Lavaasche hier in Chile und Argentinien. Diese Variante soll wohl Reifen fressen. Also meine sind noch dran. Gestern auf dem Weg nach Lonquimay über die Cuesta Los Raices. Traumhaft schöne Strecke.

– Grober Schotter. Es wird ekelhaft. Je größer die Steine, desto schlechter zu fahren. Das soll es hier im Sinne von Eisenbahnschotter geben. Ist mir noch nicht unter die Räder gekommen. Zum Glück!

– Wellblech: Wellenförmige Aufwölbungen des Untergrundes in Serie über mehrere 100 Meter mit Abstand der Wellenspitzen von 20 bis 30 Zentimeter. Bergauf: ziemlich blödes Geschaukel am Rad; bergab: Lenker festhalten, richtig festhalten, und hoffen, dass eigene Material hält. Das tut es bislang. Wellblech kommt hier regelmäßig vor, vor allem auf weiter Flur, so mein Eindruck, und selten in bewaldeten Gebieten.

– Kombination aus Erde und großen Steinen. Vorankommen ist das geringere Problem. Eine Zahnprothese würde jedoch sofort herausfallen. Die Hand- und Ellenbogengelenke leiden auch. Heute vermehrt auf den letzten 40 Kilometern.

– Kombination aus Sand und großen Steinen: Der Ultragau. Vera, Richard und Carsten haben auf der berühmt-berüchtigten, wobei das berüchtigt klar dominiert, Ruta 40 in Argentinien 50 Kilometer (!) geschoben. Tennisballgroße Steine fein säuberlich im Sand versteckt. Nur für Rad-Masochisten.

Vielmehr gäbe es von den letzten drei Tagen zu berichten. Ich toure durch die wunderschöne chilenisch-argentinische Seenregion. Zum ersten Mal bin ich wirklich froh, dass die Hauptreisezeit der Chilenen und Argentinier erst in zwei Wochen beginnt. Jetzt ist schon gibt es hier ein wenig Tourismus, vor allem Europäer, in zwei Wochen soll hier wohl der Bär steppen. Nun gut, Bären gibt es hier nicht, jedoch viele Schafe, Rinder und Pferde.

12 Comments

  1. 4 Weizen Cycling

    4 cycling grüßt
    Nach 4 Bier ist der Blog ein noch größeres Highlight
    Wir trinken eins für dich mit
    Nächstes Jahr Tennis und Gold ?Nur der Bälle wergen

    Grüße
    Konrad Moritz Arnd

      • 4 Weizen cycling

        Loser Sand ist nicht zum kotzen loser Sand kotzt wenn Chuck Beyer kommt

        Grober Schotter: Chuck Beyer kommt … wird feiner Schotter

        Wellblech: wo ist die Welle ???‍♀️
        Chuck Beyer reitet das Wellblech

        Der ultragau für Sand und große Steine: Chuck Beyer schiebt die Piste für50kilometer
        Wer ist hier der masochsit ?

        Die Ruta 40 hat viele bikes zerstört. Chuck Beyer zerstört die ruta 40.

        Dein 4 Weizen cycling

        Live aus dem Brazil
        Konrad moritz Arnd

  2. 5 Weizen cycling

    die Geographie bestimmt nicht den Weg von Chuck Beyer
    Chuck Beyer bestimmt die Geographie

    Es gibt keine Anstiege oder Abfahrten
    Darüber entscheidet nur Chuck Beyer

    Chuck Beyer hat keine Angst vorm Gegenwind … ihr kennt die Antwort

    … to be continued

    Dein Team vom 5 oder 4?? Weizen Cycling

    • Sensationell! Mensch Jungs!, bei dieser geistreichen Stunde wäre ich gerne dabei gewesen. Ich übe mich nun auch in dieser Disziplin. Das verranzte Hostales im Backpacker-Paradiso Bariloche lässt sich mit Isenbeck besser ertragen. Warsteiner hätte es auch gegeben und viel guten Wein. Aber selbst das Warsteiner ist hier overdressed. Herzliche Grüße, Chuck

  3. Du hast einen Untergrund hier in Südamerika vergessen zu erwähnen- die Pisten der Salare, die von wunderbar rasend bis ekelhaft klebrig, weil nass/feucht, sind und damit nicht nur die Räder bis zu den Felgen versinken, sondern abends noch die Dusche für Rad vor der eigenen Körperwäsche notwendig ist. Ganz klar sind dann die Prioritäten verteilt, schliesslich lieben wir unsre Schätzchens, nicht wahr? 😉
    Liebe Grüsse aus Puerto Montt ins wunderbare argentinische Seenland (war 4 Tage vor dir dort), Antonia
    PS: Zeltplatz am Lago Hermes oder Lago Falke sahen echt verlockend aus (wenn auch ohne Wifi, dafür tolle Natur und die erhabene Bergwelt drumrum herum)

    • Absoluto, Antonia! Die Salare muss ich erst noch erfahren. Am Lago Falkner habe ich gezeltet! Meinen Platz in erster Reihe habe ich aufgegeben, nachdem mir ein paar Argentinier berichtet hatten, dass verfrüht Regen über Nacht eintreffen sollte. So war es auch. Schöne Grüße, Christian

  4. Inge und Reiner

    Toll, wie du die Straßenbeläge beschreibst. Auf der Carretera wirst du sie parallel erleben können und ständig mit der Überlegung beschäftigt sein, ob du in der Mitte der Straße, in der Fahrspur der Autos oder vielleicht doch lieber am Seitenstreifen radeln willst. Und jede Entscheidung wird falsch erscheinen. Trotzdem, es gibt auch manchmal Asphalt, aber dann oft auch Wind. Weiter viel Spaß!
    Inge und Reiner

    • Liebe Inge und Reiner,
      Lange ist es nicht mehr bis zur Careterra. Ein wenig vorplanen möchte ich wegen der Fähre und den Feiertagen. Da habe ich unlängst nach dem Wetter für Chihoe geguckt: für den 20.12. sind 50 mm! Regen gemeldet.
      Herzliche Grüße, Christian

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