Angekommen.

Schon hätte ich mit „Mission accomplished.“ getitelt, da das reißerisch und catchy gewesen wäre, doch das tröge „Angekommen.“ trifft es besser. Vielleicht kann ich, sobald oder sofern ich die Careterra Austral gefahren und in Punta Arenas angekommen sein werde, von „Mission accomplished.“ schreiben. Jetzt aber bin ich angekommen, auf der Reise, die ich mir gewünscht habe.

Die Careterra Austral, die 1200 Kilometer lange Abenteuerstraße im Süden Chiles, mit Regenwäldern, Gletschern und Fjorden beradle ich seit drei Tagen. Die Straße wurde als Prestigeobjekt noch unter Pinochet begonnen und in ihrer vollen Länge erst vor circa 15 Jahren realisiert. Sie sollte die südlichsten Orte Chiles auf dem Landwege mit dem Rest des Landes verbinden. Nun wird die Straße von Radfahrern und Motorradfahrern als Abenteuerrevier missbraucht. Natürlich treffen auch Autotouristen und Backpacker, die per Anhalter fahren, ein – beide Gruppen in zunehmender Zahl, zumal die Versorgungs- und Unterkunftslage stetig besser wird. Außerdem schreitet die Asphaltierung gut voran. Ob die Besiedelung im gleichen Zuge zunimmt, wage ich zu bezweifeln. Circa 100.000 Menschen wohnen an der Strecke, rund 40.000 alleine in Coyhaique. Entlang eines Großteils der Careterra Austral finden sich vereinzelte Häuser und kleine Ortschaften in ausreichendem Sicherheitsabstand. Im Verhältnis dazu sind viele Dörfer in der Fränkischen Großstädte.

Eben jene Careterra Austral ist das Kernstück meiner Reise. Mein Traum, beziehungsweise meine Vision, das was ich mir vor meinem inneren Auge bei der Planung vorgestellt hatte, war es an einem schönen Fluss oder Fjord entlang der Careterra Austral mit anderen netten Radlern nach einem langen Radtag bei Sonnenuntergang Abend zu essen. Und eben hier bin ich angekommen.

Noch ist er zweigeteilt, mein verwirklichter Traum, um ganz ehrlich zu sein. Vor zwei Tagen hatte ich Claudia und Severin aus der Schweiz auf dem Rad getroffen. Die beiden waren von Argentinien aus auf dem Weg nach Santa Lucia und der Careterra Austral. Da war ich gerade auf dem Weg von Santa Lucia in Richtung Argentinien, also weg von der Careterra Austral, da ich noch ein wenig Zeit über hatte. Für die Weihnachtstage hatte ich mich in der Casa Ludwig (deutsche Vorfahren) in Puyuhuapi eingebucht, und es waren nur 200 Kilometer von meinem Startpunkt in Chaiten, wo mich die Fähre vor drei Tagen abgesetzt hatte. Ich hatte also ein Zeitproblem, nämlich zuviel davon. Nach einem Plausch mit den beiden, bin ich noch eine Stunde weitergeradelt und habe dann den perfekten Campingplatz am Fluss Futaleufu entdeckt. Genauso, wie ich ihn mir ausgemalt hatte: Breites Flussbett, klares Wasser und ein schönes Schwemmfeld zum Zelten. Kochen, Essen und Campen musste ich jedoch alleine; es fanden sich keine weiteren Radler in unmittelbarere Nähe.

Tags darauf hatte ich durch einen frühen Start Claudia und Severin an der Careterra Austral, nachdem ich von meinem Schlenker zurückgekommen war, wieder eingesammelt. Hier kam mir zu Gute, dass die beiden auf der Suche nach Claudias Regenhose, die sich während des Trocknens auf dem Gepäck verflüchtigt hatte, Zeit verbrachten. Sie radeln ansonsten nämlich sehr sportlich, so dass ich hätte nicht ohne weiteres hätte auffahren können. Gemeinsam sind wir schließlich an ein Camping 30 Kilometer vor Puyuhuapi geradelt und haben einen wunderbaren Abend miteinander verbracht. Nur der Fluss hatte hier gefehlt.

Heute, an Heiligabend, ging es dann gemeinsam nach Puyuhuapi und Claudia und Severin kamen auch in der Casa Ludwig unter – was keine große Herausforderung war, denn hier scheint über die Festtage tote Hose zu herrschen. Sofern es das Wetter erlaubt, wollen Claudia und Severin morgen schon weiterreden, wohingegen ich noch einen Tag verweile. Ich hoffe, ich hole sie bald wieder ein.

Meiner lieben Leserschaft wünsche ich noch schöne und besinnliche Festtage. Seid lieb zueinander, etwas was die Menschen hier an der Careterra Austral sehr wohl können. Das mag daran liegen, dass es in dieser einsamen Gegend offensichtlich ist, dass man einander braucht. Für uns, in der schönen Heimat, trifft das aber auch zu.

 

7 Comments

  1. Börge

    Christian!

    Gesegnete Weihnachten sofern der Heimat.

    Andi suchte beim Weinachtsschwimmen den ganzheitlichsten Schwimmer. Dank größter Erfahrung und kleinerer Tricks könnte dies Mr. Bangladesch für sich entscheiden..

    KBB

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Die DSGVO-Checkbox ist ein Pflichtfeld

*

Ich stimme zu