Kein Verständnis.

„Der Weg ist das Ziel.“ und „Ziele sind Leuchttürme, keine Häfen.“

Wie wahr und doch: Es ist kacke, wenn man sich auf den Weg macht, fast am Ziel ist und dennoch nicht ankommt, nur weil einem Mark Forster den Spaß versaut!

Wer ist das überhaupt? Was bildet sich der ein? Ch. Beyer kennt nur einen Markus Forster, ein schneller Dreikampfsportler der 90-iger Jahre, dem diese Frechheit nie eingefallen wäre.

„Dafür habe ich kein Verständnis!“, schimpft die 70-jährige Rheinländerin die das Plakat beäugt, wo unser nicht vorhandenes Verständnis ohne unsere Zustimmung angenommen wird. Und Ch. Beyer findet, sie hat Recht!

Und dabei wird es die alte Dame noch leicht gehabt haben: Kommt mit dem Tupper-Ware-Bus ein Stündchen aus dem Rheinland angereist, macht Kaffeekränzchen mit den tattrigen Freundinnen und hätte nun ihrer Tochter oder Enkelin noch gerne ein Selfie vom Deutschen Eck und Ihrer selbst geschickt. Schließlich wollte sie nachweisen, dass sie mit dem Smartphone-Ding, was sie zu Weihnachten von der Familie geschenkt bekommen hat, auch ein wenig umgehen kann.

Ch. Beyers Kontrastprogramm zur Tupper-Ware-Fahrt sah 400 Kilometer mit dem Rad vor: Er lieferte sich in der Fränkischen Karpfenweiherlandschaft mit Mähdreschern Wettrennen, die er bergauf verlor, aber bergab gewann. Im Steigerwald hungerte er – und das nicht zum ersten Mal. Im fränkischen Volkach verspachtelte er dann drei Stückchen Kuchen zu Apothekenpreisen und beobachtete zwei Rentner im Streit nach einem Autounfall. Den Spessart, wo übrigens das MTB Travel girl herkommt, genoss er schließlich sehr, bis zum Frankfurter Speckgürtel, wo ihn auf viel Bundesstraßenfahrerei die Autos im Feierabendverkehr nur ein Drittel des vorgesehenen Sicherheitsabstandes von 1,50 Meter gewährten.

In Bad Nauheim quarterierte er sich ins schöne Elvis-Style-Boutique Hotel „Spöttel“ ein und besichtigte die Innenstadt samt der berühmten Bäderanstalt barfuß, denn für Schuhe war im 10 L-Rucksack kein Platz mehr gewesen. Im ihm schon bekannten Taunus entdeckte er sanfte Anstiege, die das Mittelgebirge nach den traumatischen Eindrücken vom Taunus Bikepacking nochmals in einem ganz anderen Licht zeigten.

Durch Limburg und Montabaur radelte er und zehn Kilometer vor dem vermeindlichen Ziel fing er sich noch einen Platte ein, da er auf der Panzerstraße mit Querrillen das Vorderrad nicht rechtzeitig anhob. Der zweite Platten auf dieser Ausfahrt war es übrigens und Ch. Beyer schätzte sich glücklich, dass er bei Radsport Dresel in Höchstadt noch zwei Ersatzschläuche gekauft hatte.

Und nach all den Höhen und Tiefen dieses Overnighters radelte Ch. Beyer voller Vorfreude zum Deutschen Eck, um dort im Stillen, unter den Hundertschaften Touristen, ein Wässerchen mit viel Sprudel zu trinken. Die Leserschaft weiß schließlich: Alcohol is bad! Außerdem lag das wunderbare Örtchen Selters auch auf dem Weg zum Deutschen Eck und wollte gewürdigt werden.

Und dann versaut so ein Hallodrian names Forster Ch. Beyer die Pointe! Hühnerkacke! — Eigentlich würde Ch. Beyer ja lieber das S-Wort verwenden, aber er ist nicht sicher, ob dies dem Stil dieses Tatsachenberichtes gerecht wird.

Doch was soll’s! „Der Weg ist das Ziel!“ und „Ziele sind Leuchttürme, keine Häfen!“. Ch. Beyer hat in zwei Radtagen viel erlebt und war nun angenehm ermüdet. Da blieb nicht viel Energie sich aufzuregen. Das übernahm dankenswerterweise die rüstige Rheinländerin. Ch. Beyer wendete sein Energiereserven dafür auf, die nächste Tanke mit Versorgungsmöglichkeit anzusteuern, auch wenn in dem zuletzt gelesen Buch „In Defense of Food“ von Micheal Pollan stand: „Don’t get your fuel where your car gets it!“.

One Comment

  1. Horst

    Herrlich! Großartig! Einwandfrei! Also der Chuck und sein Bericht. Und sein Abenteuer. Der Mark Forster, der soll sich wirklich was schämen!

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