Das erste Mal.

Morgendliches Mallorca.
Morgendliches Mallorca.
Morgendliches Mallorca.
Morgendliches Mallorca.
Basecamp.
Erster Abend, erstes Abenteuer.
Schon ward’s dunkel.
100, 200 und 300 km?
100 für den ersten Tag.
Kaffee-Tanken.
Die Freude am Radfahren.
Grundlagenausdauer zu Fuß macht keinen Spaß.
Grundlagenausdauer zu Fuß macht keinen Spaß.
Zu Beginn der Radausfahrt.
Zu Beginn der Radausfahrt.
Refueling.
Geil!
10 cc Volumen, 5 cm Hub, 35 min Pumpen.
Verkehrtes WWW? Wo bleibt Alice Schwarzer?
Am Tag danach.
Am Tag danach.
Die kurze, vierstündige Ausfahrt.
Die kurze, vierstündige Ausfahrt.
Ablenkung.
Ablenkung.
Kurz vor knapp zurück.
Trainingslager: Vor dem Frühstück ist nach dem Frühstück.

Der aktuelle Beitrag leidet unter „Pokrastination“ – ein Wort anglosächsischen Ursprungs, das sich nur allzu gut in die deutsche Sprache einfügt. „Prokrastination“ bedeutet extremes Aufschieben und gilt als krankhaft. Anderseits behaupten einige Vertreter der Wissenschaft, dass moderates Prokrastinieren ein Erfolgsrezept sein könnte. Das zeitweilige extreme Aufschieben fördert kreative Lösungsstrategien. Dabei glauben die Wissenschaftler, dass das Aufschieben und Herumtragen des Problems dazu führt, dass das Hirn mehr Zeit hat, sich eine gute Lösung einfallen zu lassen.

Ch. Beyers Problem für diesen Beitrag war eigentlich kein Wesentliches: Er hatte nur immer wieder nach diesem einen Namen gesucht, der doch irgendwo in seinen Hirnwindungen hatte vergraben sein müssen. Es heißt, dass das Unterbewußtsein nichts vergesse. Jedenfalls ist Ch. Beyer immer bei „Mona“ hängen geblieben mit der wagen Vermutung, dass das der falsche Name ist.

Eine erste Literaturrecherche über die wichtigste wissenschaftliche Datenbank, nämlich Google, erbrachte kein Ergebnis. Dabei ging Ch. Beyer bis zu den 2005er Ausgaben der Zeitschrift Tour zurück.

„Mona“ da war er sich sicher, gehörte zu Achim Achilles. Mona ist Achim Achilles Laufhindernis. Zumindest schreibt er ihr das immer wieder zu. Mona und ihre bzw. seine Kinder. Und nur ein klein wenig der innere Schweinehund.

Die Flamme Brägels, also des heimlichen Heldes deutscher Radfahrer aus der Zeitschrift Tour, hieß aber ganz ähnlich und doch anders.

Doch auch wenn das Unterbewußtsein nichts vergisst; gräbt man an der falschen Stelle, puddelt man doch auch nur das falsche Ergebnis aus. Wo wir bei einer der Lieblingsmetaphern Ch. Beyers wären: Die Metapher von dem Betrunkenen, der nachts seinen Schlüssel verliert, und dem Polizisten, der versucht ihm dabei zu helfen, diesen wieder zu finden. Aber das ist ein anderes Thema.

Zurück also zu Brägel. Nochmals quälte sich Ch. Beyer durch die alten Tour Foren und tatsächlich wurde er in 2002er Schriften endlich fündig: Auf „Viola“ hörte Brägels Flamme und Brägel hörte auf Viola.

Als Ch. Beyer nun endlich die Lösung auf seine Frage gefunden hatte, hatte er sich schon längst einen ganz anderen Plot für diesen Blog zurecht gelegt. Prokrastination 2.0 nennt das Ch. Beyer. In der NLP-Sekte heißt es, man solle etwas anderes probieren, wenn die ursprünglich intendierte Methode nicht zum Erfolg führt.

Für diesen Beitrag hatte sich Ch. Beyer nun einen Vergleich ausgedacht, der es dem weniger velophilen Leser ermöglichen sollte, zu verstehen, wie es denn ist, sich zu verlieben. Mit dem Radfahren.

Der erste Blick, der erste Kuss, das erste Mal. Der Kater am nächsten Morgen, die quälenden Jahre danach, die Suche nach dem perfekten Tag. Das alltäglich an sich selbst Arbeiten, das Wahren seiner letzten anderen Interessen, der erschreckte Blick auf den Kontostand. Tiefen, dann Höhen, und wieder Tiefen. Und so hart es manchmal ist, Mann kommt von ihr nicht weg, der Liebe.

Das ist die Liebe. Das ist die Liebe zum Radfahren.

Google sagt, Michelle habe 2002 gesungen: „Nenn es Liebe oder Wahnsinn!“ Na klar, das passt gut, schließlich war das zu den guten Zeiten des Jan Ullrichs, vor dem Absturz.

Ch. Beyer steckt in einer bereits zerfahrenen Beziehung zum Radfahren. Er hat in 20 Jahren scheinbar alles erfahren hat, was man eradeln kann. Umso mehr freut er sich, Novizen zu beobachten, wie sie ganz unschuldig ihre Liebe zum Radfahren – schreiben wir mal – „entwickeln“. Ch. Beyer erlebt mit und fühlt sich in seine ersten Beziehungsjahre zurückversetzt: Ach ja, genauso war das auch bei uns!

Und der interessierte Leser fragt sich nun: Wie kommt Ch. Beyer dazu, über Liebe und Beziehung zu schreiben. Nun ganz einfach: Er durfte zuletzt alles wieder hautnah miterleben, in einem Trainingslager auf Mallorca, mit seiner Flamme, die nicht – „Hey Google!“ – Mona, Viola, sondern Domi heißt.

Nun aber in medias res: Liebe, Beziehung, Radtrainingslager auf Mallorca. Es war alles dabei!

Erster Tag, erstes Abenteuer: Auf Drängen Domis fand am Ankunftstag noch eine kleine Wanderung in den Nachbarort namens Sineu statt. Nur blöd, dass es um halb sieben plötzlich zappenduster wurde und die Handyfunzeln auf der Bundesstraße kaum ausreichend Licht boten. Körperliche Anstrengung 3/10. Gefahrenpotenzial 9/10. Fazit: Es war nicht Ch. Beyers Idee.

Zweiter Tag, zweites Abenteuer: Der erste Radtag im Trainingslager dient üblicherweise dem Einrollen bzw. Warmwerden. Eine moderate Trainingsdosis führt dazu, dass der Körper in Schwung kommt. Gefährdet wird diese Trainingsweisheit von der euphorischen Aufbruchsstimmung. Erschwerend kam hinzu, dass der Wind zur Küste hin blies und das Meer in Reichweite rückte. Die gut 50 Kilometer Rückweg zogen sich dann aber umso mehr in die Länge. Rückkehr war 17:45 Uhr. Es war noch hell, noch! Körperliche Anstrengung 8/10. Gefahrenpotenzial 2/10. Fazit: Anfängerfehler.

Dritter Tag, Erholungstag: Wer mietet sich schon ein E-Bike, wenn er Ch. Beyer dabei hat? Das Geniale und zugleich Fatale an den Anstiegen Mallorcas ist: Man ist nie allein. Der nächste Gegner wartet schon. Doch ehrlich: Die zwei Amerikaner mit den Highend-Carbon-Schüsseln für 10k+ und den Waden so dick wie mitteleuropäische Oberschenkel waren kaum Gegner. Kaum Anstrengung. Kaum Gefahr. Fazit: Mallorca ist Mallorca ist Mallorca.

Vierter Tag, unspezifisches Training: So früh in der Radsaison sollten die Trainingsschwerpunkte nicht nur auf spezifischem Radtraining liegen. Mallorca ist zum Wandern ausgezeichnet geeignet. Nur fanden sich keine ordentlichen Wandertouren. Die Längste war gerade 4-5 Stunden lang, wobei die Faktor-2-Regel angewandt war (bei Ch. Beyer werden alle Zeitangaben zu Wanderstrecken durch den Faktor 2 dividiert, um am Ende festzustellen, nur die Hälfte der berechneten Zeit benötigt zu haben). Klar, dass das Domi zu langweilig erschien. Einmal ordentlich über das rechte äußere Sprunggelenk gerockt und der Abstieg nahm die Ausmaße einer Himmalya-Expedition an. Ch. Beyer kam noch auf die glorreiche Idee, eine Abkürzung zu nehmen, die der Aktion die restliche Würze gab. Rückkehr zum Kloster Lluc im Dunkeln und humpelnd um 18:30 Uhr. Körperliche Anstrengung 7/10. Gefahrenpotenzial 7/10. Fazit: Not so nice.

Fünfter Tag, Erholungstag: So stellt man sich richtiges Training im Trainingslager vor: Vom Frühstückstisch gestärkt geht es auf eine 3 Stunden Radeinheit. Dazwischen Kaffeepause. Zwei Stunden vor Dunkelheit kehren die Radfahrer zurück, so dass noch ausreichend Zeit bleibt, Abend zu essen und sich auszuruhen. So gelingt Fitness-Zuwachs und die körperliche Selbstzerstörung bleibt aus. An diesem Tag war gar noch der Besuch einer Touristenattraktion, dem Farmers Market in Sineu, möglich. Körperliche Anstrengung 3/10. Gefahrenpotenzial 2/10. Fazit: Mentale Belastung für Ch. Beyer am Farmers Market 10/10.

Sechster Tag, Königsetappe: In Trainingslagern mit Ch. Beyer kann sich natürlich jeder Tag zur Königsetappe wandeln, die gespickt ist mit Höhen und Tiefen. Das letzte Hoch war die Auffahrt nach San Salvador nach circa einem Drittel der Tagesleistung. Danach begannen die körperlichen und mentalen Tiefen: Plattfuss. Insektenstich. Hungerast. Rennen gegen die Dunkelheit. Aufbäumen. Erschöpfung. Abkürzung. Die keine war. Umkehren. Rerouting. Erneute Abkürzung. Über Gravel. Mit dem Rennrad und den 25 mm Reifen. Protestschieben. Nach drei Kilometern kurz vor dem Asphalt: Bahnunterführung. Yeah, fu@k! Können die keine Kanalisation bauen. Unter 10 cm brauner Brühe lagen 10 cm Schlamm. Weiter auf Asphalt. Das Rennen gegen die Dunkelheit spitze sich zu. Hätten wir doch Lichter mitgenommen! Um 18:20 Uhr San Joan: Noch 3 Kilometer. Rückkehr im Dunkeln. Die Autofahrer hupen. Haltet doch die Klappe! Wir haben uns das nicht ausgesucht. Oder doch? Körperliche Anstrengung 10/10. Gefahrenpotenzial 6/10. Fazit: Die Trainingsnachbesprechungen sind mindestens ebenso anstrengend. Mentaltraining für Novize und Trainer.

Siebter Tag, Ausrolltag: Der Tag danach. Der Tag nach der Königsetappe. Katerstimmung. Ch. Beyer hatte Wandern in Aussicht gestellt; es sollte nochmals Radfahren werden. Waren da erste Anzeichen einer Suchterkrankung zu erkennen? Jedoch, es ging nichts. Aus einer Radausfahrt wurde eine Fotografiestunde. Ch. Beyer fühlte sich an seinen Großvater erinnert. Dieser widmete sich in den Anstiegen der fränkischen Schweiz geschickt platziert der Botanik, um immer wieder kleine Päuschen zu erhaschen. Die Tortour war aber zu erwarten. QED schreibt der Lateiner. Eine klassische Ausfahrt am Tag nach der Königsetappe. Körperliche Anstrengung: gefühlt 10/10, reell 1/10. Gefahrenpotenzial 2/10. Fazit: Ruhetagblues, so taufte es Ch. Beyer in Chile.

Die Liebe zum Radfahren. Mal sehen, was weiter daraus wird. Hoffentlich ganz viel, damit Ch. Beyer demnächst nicht nur über seine eigenen Erfahrungen zu berichten weiß.

P.S. Kleiner, unbedingt empfehlenswerter Videotipp. 2021 will auch Ch. Beyer am Start stehen: https://bikepacking.com/plog/just-want-ride-film/ 

3 Comments

  1. Siglinde-Muddi

    Ach wie süss !
    Das mit der Sucht scheint vielleicht doch ansteckend zu sein, aber wirklich richtig mach ich mir da keine Sorgen.
    Aber Ihr scheint ja wirklich richtige Abenteuer erlebt zu haben.

  2. Horst

    Absolut großartig! Als wäre man selbst dabei gewesen! Ha, da man das ja alles schon selber diverse male mitgemacht hat, war man ja im übertragenen Sinne irgendwie dabei!

    Habe jedenfalls laut gelacht!

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