Challenge conventional wisdom.

Neideck-1000-Finisher mit 1,5 m-Corona-Abstand: Chuck, Ramon und Benschamin.

Ch. Beyers Lieblingslebensabschnittsgefährtin, aka Frau, ist im Wellness. Das ist gut…und natürlich auch nicht. Ch. Beyer möchte unbedingt die Dialektik in Bezug auf die komplexen Sachverhalte dieses Beitrags waren… und natürlich den Hausfrieden. Gut ist es auf jeden Fall für Sie, wehrte Leser, denn Ch. Beyer hat extra Zeit für einen Blogbeitrag.

Seit dem DNF-TBC bei der Sweet-16, also dem „Did not finish – to be continued“ standen Ch. Beyers Velos in der Ecke. Nicht etwa, weil Ch. Beyer keine Lust mehr auf Velo fahren hatte, sondern weil er endlich wieder mehr Zeit dem Literaturrecherche widmen konnte. Auch ein sehr ausgewogenes Statement, nicht wahr liebe Leser. So bekommen Sie schon eine Vorahnung, dass der Blogbeitrag von heute ein Schonwaschprogramm werden wird.

Jedenfalls führt das Recherchieren in der Off-Season stets dazu, dass Ch. Beyers Bücherregal überquillt. Die Postboten geben sich die Klinke in die Hand. Beim Lesen des ersten Buches entdeckt Ch. Beyer mehr Ideen für weitere Bücher. Und selbst wenn er all diese bis zur nächsten Saison nicht lesen wird, so fühlt es sich gut an, sie im Bücherregal zu haben. Und wehrte Leser, haben sie den nächsten Hinweis entdeckt? Fühlen! Schonwaschprogramm .

Nun der Quell allen Übels und aller Wohltat ist ein weiteres Mal Chris McDougall. Sehr aufmerksam, wehrte Leser: Erneut ausgewogene Dialektik seitens Ch. Beyer, auch wenn Ch. Beyer für das Wort „Übel“ erst ein geeignetes Antonym finden musste und noch nicht allumfassend zufrieden ist. Jedenfalls fraß sich Ch. Beyer durch die Seiten von McDougalls neuem Buches: „Natural Born Heroes“.

Bereits McDougalls „Born to run“, das von den Tarahumara, Caballo blanco und der Natural Running Bewegung handelt, bot Ch. Beyer eine Fülle neuer Ideen, die den Bücherschrank belasteten. Und noch heute lässt sich Ch. Beyer vom Born to Run-Coach Eric Orton auf Youtube inspirieren. Mit „Natural Born Heroes“, das vom kretischen Widerstand gegen die Nazis während des zweiten Weltkrieg handelt, ist es nicht besser. McDougall zieht Schleifchen um Schleifchen und hielt Ch. Beyer damit in seinem Bann, viel erfolgreicher als das Ch. Beyer mit seinen Velo-Weggefährten beim Radeln gelingt. Und während Ch. Beyer viele Ideen aufgeschnappt und noch mehr Bücher bestellt hat, so ist vor allem ein Schleifchen besonders spannend.

McDougall selbst stieß auf seiner Recherche zu „Natural Born Heroes“ auf Phil Maffetone, dem visionären Coach großer Ausdauerathleten und Musiker. Und weil McDougalls Schleifchen nicht den direkten Weg nach Hause finden, beschreibt er die spannende Geschichte, wie er Phil Maffetone letztendlich über den Pack-Burro Racer Hal Walter kennen lernte. What the heck ist Pack-Burro-Racing, fragen Sie sich vielleicht liebe Leser… Gucken Sie es nach: http://letmegooglethat.com/?q=pack+burro+racing

Zurück zu Phil Maffetone, den McDougall nach langer Suche auftreiben konnte. Maffetone coachte Mark Allen, Mike Pigg und Stu Middleman, ebenso wie James Taylor, Johnny Cash und die Red Hot Chili Peppers. Und wie Sie, wehrte Freunde des Ausdauersports gewiss wissen, anscheinend sehr erfolgreich. Und natürlich könnten Sie sich nun fragen, was das Training von Maffetone auszeichnet… Schlagen Sie es nach!

Aber nein: In diesem Blogbeitrag soll es tatsächlich um Maffetones Trainingsmethoden gehen. Nur fällt es Ch. Beyer schwer darüber zu berichten, denn diese Trainingsmethoden untergraben den guten, harten Charakter von radness.de.

Nun, also doch, zumindest in kleinen Häppchen, Weichspüler: Maffetones Hauptziel ist es, gesunde Athleten zu entwickeln. Erst an zweiter Stelle folgt Fitness. Das Schlagwort heißt „Longevity“, was zum Beispiel auch bei Coach Eric Orton zu finden ist. Und der Schlüssel zu gesunden Sportlern liegt laut Maffetone in der Reduktion von Stress.

Stress, den die Arbeit mit sich bringt, lässt sich nur schwer reduzieren. Außer der Athlet kündigt. Stress, den die Familie mit sich bringt, lässt sich ebenfalls nur schwer reduzieren. Außer der Athlet lässt sich scheiden. Wenn der Athlet aber weder Krösus noch Casanova heißt, führen Kündigung und Scheidung doch auch wieder zu Stress. Ist man nur einmal darin gefangen, wehrte Leser!

Um also Stress zu reduzieren, muss der Sportler sein Training anpassen. Und das gelingt über Reduktion von Umfang und Intensität. Bei fast all seinen Sportlern, insbesondere den Berufstätigen und nicht nur den Berufsportlern, reduzierte Maffetone tatsächlich den Umfang. Und die Athleten wurden gesünder und fitter. Und zur Intensitätsreduktion verschreibt Maffetone pulsgesteuertes Training mit einer zugebenermaßen groben Formel, die es jedoch in sich haben soll: 180 – Lebensalter ist der Maximalpuls für aerobes Training.

Alle Leistungsdiagnostiker werden nun aufschreien: „Bullshit, ohne Leistungsdiagnostik lassen sich die Trainingszonen gar nicht bestimmen!“ Hier würde Maffetone entgegnen, dass die Leistungsdiagnostik tatsächlich eine genauere Bestimmung zuließe, aber sich diese Zonen auch im Verlauf des Trainingsjahres immer wieder ein wenig ändern, so dass es wiederholte Leistungsdiagnostik benötigt. Hier würden natürlich alle Leistungsdiagnostik erneut aufschreien: „Great, let’s do it!“ Doch Maffetone meint, seine Formel kommt für den Otto-Normal-Verbraucher ganz gut hin, was ihm eine Menge Geld spart.

Das aerobe Training trainiert der Sportler anhand der Maffetone-Formel schließlich Jahr aus, Jahr ein. Abweichungen treten nur zu den Wettkampfzeiten ein, wo anaerobes Training stattfindet. Doch für alle Vielstarter: Maffetone spricht sich für wenige, ausgewählte Wettbewerbe im Jahr aus. Maffetones aerobes Training hilft schließlich, Stress zu reduzieren und Verletzungen zu vermeiden. Nicht jedes Training soll zum Wettkampf werden und – tatsächlich – der Sportler darf sich nach dem Training gut fühlen. Jawohl, und dieses Schonwaschprogramm ist nun auf radness.de publiziert.

Auch wenn Maffetone damit gegen den Strom schwimmt und sich gegen High Intensity und Sweetspot Training stellt, ist er nicht allein auf weiter Flur. Bereits der sagenumwobene Lauftrainer Arthur Lydiard verschrieb seinen neuseeländischen Leichtathleten vor allem eines: Aerobes Ausdauertraining. Professor Stephen Seiler, der Polarized Training propagiert, erzählt ebenfalls Geschichten von den norwegischen Langlaufstars, die beim Ausdauertraining den Berg hinauf gehen, nicht laufen. Im Gegensatz dazu richtet der nun wegen Dopingvorwürfen geschasste Leichtathletiktrainer Alberto Salazar aus dem Nike Oregon Project sich selbst zu früheren Zeiten und später seine Athleten mit immensem anaeroben Training zu Grunde.

Und tatsächlich, wenn Ch. Beyer an seine erfolgreichen und verletzungsfreien Wettbewerbsjahre zurück denkt, dann damals Umfang und Intensität wohl dosiert. Bei einem einjährigen Triathlon-Comback 2015 trainiert Ch. Beyer die Hälfte dessen, was er zu Studiumszeiten zusammenwurschtelte, und war damit schneller. Und im Bikepacking-Sommermärchen 2018 startete er mit stundenlangen Wanderungen und Radausfahrten niedrigster Intensität. Erst später in der Saison fuhr er auch nur einmal pro Woche hart.

Gerade das Wandern ist auch ein Trainingskniff Maffetones. Anstatt seine Ultraläufer vier oder fünf oder mehr Stunden laufen zu lassen, lässt er sie zum Beispiel eine Stunde gehen/wandern, zwei Stunden laufen, dann nochmals eine Stunde gehen/wandern. Außerdem spricht sich Maffetone für Fartlek und Bergabläufe aus, wo der Athlet nach eigenem Gefühl das Tempo steuert und Motorik für schnelles Laufen schult. Beide Elemente zeichneten Ch. Beyers Triathlontraining 2015 ebenfalls aus.

Im Endeffekt wehrt sich Maffetone gegen die „No pain, no gain“-Mentalität, die nicht nur ein sportliches, sondern ein gesellschaftliches Laster sei. Natürlich, liebe Leser, Sie haben ja Recht: Das ist auch ein Laster Ch. Beyers. Doch lassen Sie ihn erst einmal zu Ende schreiben. Er hatte ja angekündigt, dass es sich um ein Schonwaschprogramm handeln wird.

Nach Maffetone führen „chronic pain“, aka hoher Trainingsstress, zu dauerhaft erhöhter Cortisolausschüttung, die mittel- und langfristig das Risiko für Burnouts und Übertraining erhöht. Außerdem begünstigt die Cortisolausschüttung eine Insulinresistenz in den Athleten, was unter anderem Adipositas und metabolisches Syndrom begünstigen. Nächtliche Fressorgien der Sportler sind Ausdruck des Problems.

Starker Tobak, nicht wahr wehrte Leser. Nun, Sie können gerne aufhören zu lesen oder sich noch mehr die Haare raufen. Es liegt in ihrer Hand beziehungsweise ihrem Kopf. Doch wie es Coach Peter aus Wolfenbüttel gerne ausdrückt: Der freie Wille ist eine Illusion!

Zur Reduktion von Stress und erfolgreichem aeroben Training gehört nach Maffetone auch, die Ernährung umzustellen: Low on carbs! Kein Weizen, keine Kartoffeln (armer Kleyer!), keine raffinierten Zucker. Gerade die raffinierten Zucker sind raffiniert darin, den Esser zu binden. Zucker ist eine Droge!

Und hier hat Maffetone Ch. Beyer ein weiteres Mal an einem wunden Punkt getroffen. In einem seiner letzten Beiträge schrieb Ch. Beyer noch über den unbändigen Konsum der Hafervoll-Riegel beim Sweet-16. Zwei oder drei Packungen pro Tag, mindestens! Und Ch. Beyer ärgerte sich, dass er ständig ein Brikett nachlegen musste, um den Hungerast zu vermeiden. Von seinen Langstreckenidolen Kristof Alegaert, James Hayden und Rolf-Super-Janka weiß er aber, dass man gar nicht soviel essen muss. Aber anscheinend nur, wenn der Fettstoffwechsel gut funktioniert.

Maffetone glaubt, dass Zucker und billige Kohlenhydrate den Insulinspiegel in die Höhe treiben, was wiederum die Lipolyse, also die Fettverbrennung hemmt. Das ganze Cola, die Hafervolls und die Bäckereiwaren hemmen also die Fettverbrennung beim Radeln und Rennen. Sie sind dann auch ganz schnell verbrannt, was Hunger induziert. Und Hunger ist Stress!

Klar, ohne Kohlenhydrate und Zucker wird es in längeren Wettbewerben kaum gehen, sei es der Ultramarathon oder das Bikepacking-Rennen. Aber zu Trainingszeiten können die Sportler mittels low carb und aeroben Training den Fettstoffwechsel trainieren..

Und jetzt geht die Geschichte erst richtig los! Oh je, Ch. Beyer juckt es in den Fingern. Gerne möchte er über Zucker, Black Tar, dunkle Mächte in der Wissenschaft, Tim Noakes und Nina Teichholz schreiben. Doch das lieber zu einem anderen Mal. Werte Leser, verdauen Sie zunächst einmal den bisherigen Stoff.

P.S. Benschamin Keller, Ramon Speedy Gonzalez Binner und Ch. Beyer nahmen heute bei Neideck-1000 Gebirgslauf teil. Trailrun-Newbies am Start! Und es gab nur Gutes zu berichten: Das Wetter hielt, ebenso Kellers Achillessehne. Großfamilienvater Binner ist einmal mehr über die Strecke geflizzt. Und Ch. Beyer freute sich darüber, dass sechs Wochen Maffetone schon Erfolge zeigte: Er musste weder Trinken noch Essen. Keine Carbs, nur Glykogen und Körperfett, auch wenn es am Ende hin knapp wurde.

4 Comments

  1. DonHonzo K.

    Da steck viel drin in Maffetones Ansichten. Allerdings wäre ich ohne Zucker nicht ins Ziel gekommen. Oder halt a Stündle später. ….nicht auszudenken wie ChuckBeyer über die Strecke getackert wäre mit ordentlich Cola im Tank. Naja, da is ja noch Luft nach oben für 2021!

      • Don H

        ….und reißt nix mehr, HA!

        Nein, kleiner Scherz. Jan Ullrich wurde auch sehr erfolgreich mit langen lockeren Ausfahrten ausschließlich fueled by h2o. Das is sicherlich ein riesiger Baustein.

  2. Siglinde-Muddi-Omi

    das klingt ja schon mal alles ganz gut,deine Mutter favorisiert die Trainingsmethoden von dem besagten Mann schon immer. Ich musste meine Trainingseinheiten zur Vorbereitung für diverse Marathons immer meinen Umfeld,
    Kinder,Mann,Geschäft anpassen.
    Bin immer angekommen.
    Und es hat auch Spass gemacht.

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