Ein Spiegel, eine warme Dusche und Frites.

Das Schöne an der Ehe ist, dass man Erlebnisse teilen kann. Das Blöde an der Ehe ist, dass man Stimmungen mittragen muss. Ja, Ch. Beyer malt wieder einmal schwarz-weiß, aber das macht die graue Theorie verständlicher.

Stellen Sie sich eine Vierfeldertafel vor. Auf der Abszisse tragen Sie die Stimmung der Göttergattin auf, kategorisiert in schlecht und gut. Auf der Ordinate tragen Sie die Stimmung von Ch. Beyer auf, ebenfalls in schlecht und gut, wobei Ch. Beyer eigentlich immer gut gelaunt ist. Daraus ergeben sich dann folgende Szenarien: Göttergattin gut und Ch. Beyer gut, also alles tippitoppi. Göttergattin schlecht und Ch. Beyer gut, was aber bedeutet, dass die Gesamtstimmung schlecht ist. Göttergattin gut und Ch. Beyer schlecht, was quasi nicht vorkommt, aber auch zu einer schlechten Gesamtstimmung führen kann. Und zuletzt Göttergattin schlecht und Ch. Beyer schlecht: Gewitterwolken ziehen auf und die Ehekrise droht. Und nun zählen Sie das zusammen: Wenn Sie jedem Feld eine Wahrscheinlichkeit von 25% zuordnen, dann ist in Dreiviertel aller Fälle die Stimmung schlecht. Vergleichen Sie das nun mit einer Zweifeldertafel eines Singles, in der nur die Stimmung von Ch. Beyer berücksichtigt wird: Da ist die Stimmung zu 100% gut, da Ch. Beyer immer gut drauf ist. 

Ch. Beyer runzelt beim Schreiben die Stirn. Hat er etwas falsch gemacht—in der Berechnung, in seinem Leben? Hmm, vielleicht skizziert er sich die Vierfeldertafel nochmals Schritt für Schritt, oder er wählt doch eine andere arithmetische Betrachtungsweise. Sie wissen ja, liebe Leser, dass Herr Churchill nur seiner eigenen Statistik traute.

Und dennoch soll die Botschaft dieses Blog-Beitrages im Kern sein, dass die Stimmung der Göttergattin für die Gesamtstimmung essentiell ist. Und was macht das Ganze nun so kompliziert? Klar, sagen Sie liebe Leser, die Göttergattin ist eine Frau. Nein, nicht ganz, meint Ch. Beyer. Die Göttergattin hat die gleiche gesunde Einstellung zu Sport, Abenteuer und Schinderei, wie die meisten Frauen. In diesem Zusammenhang kommt Ch. Beyer tatsächlich nicht mit der binären Betrachtungsweise durch: Liebe Leser, suchen Sie im WorldWeitNetz nach Astrid Benöhr oder Amanda Coker und Sie werden feststellen, dass in den folgenden Belangen eine kleine Auswahl an Frauen am Schlimmsten, am Allerschlimmsten sind.

Während also Ch. Beyer von der Schinderei meist nicht genug haben kann, ist dass Fass der Göttergattin schnell voll. Vom Fass zu schreiben ist auch unpassend, vielmehr handelt es sich bei der Göttergattin um einen Krug, beziehungsweise eine fränkische Halbe. Ch. Beyer hofft daher innig, dass der Wertstoff Glas wachsen kann. Und momentan wird seine Hoffnung nicht enttäuscht, auch wenn das Wachstum aus seiner Sicht behäbig ist.

Eine Woche lang Katzenwäsche, Gemüseeintopf auf dem Gaskocher und mehrstündige Rad- und Wandertouren waren erstmals genug für die Göttergattin. Aus vermutlich strategischen Gründen stimmte sie zwar Ch. Beyers Faszination für die französisch-italienische Alpenlandschaft zu, aber Temperaturen nachts um den Gefrierpunkt, scharfer Wind und die zunehmende Belastung auf 1850 Meter Höhe über den Meeresspiegel nebst obiger Komforteinschränkungen ließen die Halbe recht schnell vorlaufen. Nicht einmal der Mitt-60er, den Ch. Beyer und die Göttergattin auf einer Bergtour trafen und der Ihnen erklärte, dass er in den Bergen biwakieren wolle, um am Folgetag den 3200 Meter hohen Mont Chaberton zu besteigen, brachten die Flamme der Göttergattin wieder zum Brennen.

Ein Ausweg musste also her, ein reisetechnischer Stimmungsaufheller. Und zum Glück ist das im Süden Frankreichs, in Ch. Beyers Augen einer der schönsten Regionen überhaupt, kein Problem. Knapp drei Stunden Autofahrt mit dem Birdmobil von Montgenèvre nach Manosque in der Provence und das vermeintlich harte Bergdasein wandelte sich in ein Leben wie Göttergattin in Frankreich. 

In dem mittelgroßen Städtchen Manosque fand sich ein noch geöffneter Campingplatz mit Duschen und Spiegel. Ach, liebe Leser, wenn Sie das Lächeln der Göttergattin gesehen hätten. Außerdem beherbergt Manosque eine schöne Innenstadt mit kleinen Läden und Restaurants. Ach, liebe Leser, wenn Sie nur das erneute Lächeln der Göttergattin gesehen hätten. Und als es bei der Plat du Jour, einem Dreigängemittagsgericht im Restaurant, Fritten als Beilage zur Hauptspeise serviert wurden, war die Welt der Göttergattin wieder in Ordnung.

Mit den französischen Plat du Jour lässt sich Ch. Beyer übrigens auch begeistern, außer auf Radreise. Es ist erstaunlich was die Franzosen für relativ wenig Geld zaubern. Und nach dem Essen fühlt man sich trotz der drei Gänge wesentlich besser als nach dem Besuch eines fränkischen Wirtshauses. Ein Verdauungsliqueur ist in Frankreich nicht notwendig. Doch wie bereits geschrieben, auf Radreise würden andere Regeln gelten, weswegen sich Franken, nicht Frankreich, als Radreiseparadies anbietet.

Als Dessert-Optionen gab es heute übrigens: Panna cotta, Molleux au chocolat, Gateau au almonds oder Fromage de bebris. Nicht schlecht, liebe Leser nicht wahr? Und während Ch. Beyer überlegte, welche der Köstlichkeiten oder ob er sie gleich alle nehmen solle, dachte er auch an Sie. Nachdem der letzte Beitrag schwere Kost war, haben Sie sich mit diesem Artikel ein kleines Dessert verdient. Es gäbe noch einiges zu berichten, unter anderem, dass Ch. Beyer auf einer Solotour in eine Treibjagd geriet oder beim frühmorgendlichen Laufen fast von einem Köter angefallen wurde. Doch damit wären Sie einmal mehr überfressen. In diesem Sinne: Bon Appetit et à bientot. 

3 Comments

  1. Muddi

    Da hab ich ja vollstes Verständnis für die Göttergattin, du kennst doch Deine Mutter mit Ihren Hungerattacken, als Du mich damals von Mitterteich nach Dresden begleitet hast.Ja irgendwann ist genug, aber ich sehe Du bist extrem lernfähig.
    Ist noch nicht Hopfen und Malz verloren, wie der Bayer so schön sagt.

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