Kleine Enttäuschungen, große Chancen.


Frankreich ist Wifi free, nix free Wifi. In der Atacamawüste in Chile und im bolivianischen Altiplano sind die Internetverbindungen in die Heimat besser. Ja klar, liebe Leser, Ch. Beyer vermutet bereits Ihre möglichen Einwände: 1.) In Deutschland ist es mit freiem Wifi auch nicht weit: stimmt, nix besser. 2.) LTE böte sowohl in Frankreich als auch in Deutschland eine Verbindung ins WEltWeitWeb: stimmt, kostet aber ordentlich. Wahrscheinlich ist auch das der Grund, warum Frankreich und Deutschland Wifi free sind. Irgendjemand will immer Profit machen. 3.) Hardcore-Bikepacker und Radreisende suchen die Verbindung zur Natur und Einsamkeit, nicht zum WeltWeitWeb: stimmt, liebe Leser, aber dann könnte Ch. Beyer Sie nicht am Laufenden halten und Sie müssten am Ende – ganz Old School – ein Buch von Ch. Beyer und seiner Göttergattin lesen. Dabei ist schon Blog-Schreiben ein Relikt vergangener Tage. Influencer nutzen Vlogs, Instagram oder Twitter – so meint es Ch. Beyer zumindest zu wissen.

Um Sie, liebe Leser, doch up to Date zu halten, präsentiert Ihnen Ch. Beyer einmal mehr einen textlastigen Beitrag. Er bittet vielmals um Entschuldigung. Ausführliches Bildmaterial folgt bei besserer Verbindung später. Doch keine Angst, der Beitrag wird kurz ausfallen, denn hier in den frischen Nächten von Pierrefitte-Nestalas werden die Füße der Göttergattin rasch kalt. 

Pierrefitte-was werden Sie sich nun fragen. Ja, Pierrefitte-Nestalas:  Das ist das Mekka des Bergradsports der Pyrenäen, circa 15 km südlich von Lourdes. Dort finden sich die Tour de France-Klassiker Hautacam, Tourmalet, Aubisque, Aspin und Luz Ardiden, alle unmittelbar vor der Haustüre im Umkreis von weniger als 10 km. Damit ist Pierrefitte-Nestalas quasi das Bourg d‘Oisans der Pyrenäen. Ch. Beyer geht das Herz auf. 

Doch die Anzahl der Klassiker bringt Ch. Beyer in die Bredouille: Drei Tage hat die Göttergattin ihm gegeben. Zudem stehen ein Besuch am Bauernmarkt und eine Stippvisite der heiligen Stätten in Lourdes an. Schließlich möchte die Göttergattin bei den Pässen mit von der Partie sein und die Tage werden immer kürzer, womit keine drei oder vier Pässe pro Tag drin sind. 

Das Zeitfenster ist also viel zu kurz, um in Pierrefitte-Nestalas alles abzugrasen, was Rang und Namen hat. Für eine Auswahl der schönsten Passstraßen holte sich Ch. Beyer zusätzliche Informationen auf der quaeldich.de-Seite, dem deutschsprachigen Pässelexikon im WeltWeitWeb. Hieraus schloss er, dass der Tourmalet mit dabei sein sollte, weil er mit über 2100 m der höchste Pass in der Region ist und eine schöne Westauffahrt vorzuweisen hat. Luz Ardiden, kein Pass, sondern ein Skiort und eine häufige Bergankunft der Tour, soll wunderschöne Serpentinen haben. Und dann stünde noch der Aubisque als weiterer, schöner Klassiker auf dem Programm. Mehr geht nicht, aber dann ist es halt so. 

Der ausgeklügelte Plan von Ch. Beyer und seiner Göttergattin sah also vor: Freitag Tourmalet, Samstag Bauernmarkt plus Aubisque plus Lourdes und Sonntag Luz Ardiden plus Weiterfahrt an den Strand. Volles Programm, aber auch bei zwei Monaten Urlaub ist immer zu wenig Zeit – vermutlich eine Variante des Rentner-Syndroms: Die zur Verfügung stehende Zeit korreliert invers mit der wahrgenommen freien Zeit.

„Complexity is the enemy of action!“ behauptet Tony Robbins, Coach von Ex-US-Präsident Obama. Auch wenn es Ch. Beyer und der Göttergattin nicht an Handlungsdrang mangelte, hielt der ausgetüftelte Plan doch nur kurz. Nach circa 600 m war der Plan futsch. Die Straße zu dem Örtchen Luz-St.-Sauveur, von wo aus die Auffahrten zum Tourmalet und nach Luz Ardiden gehen, war gesperrt. „Bis Samstag.“ verriet der nette Beamte an der Straße. Ch. Beyer atmete kurz auf. „Bis Samstag nächster Woche.“ raubte Ch. Beyer dann den Atem. „Und welche Alternativen gäbe es nach Luz-St.-Sauveur?“ „Nach Lourdes, dann nach Bagneres-de Bigorre und dann nach Luz-St. Sauveur.“ Und schließlich fügte der nette Beamte hinzu, dass es ihm Leid täte. Ch. Beyer guckte auf die Karte: Vierzig bis fünfzig Kilometer Umweg, wäre das noch mit der der No-Nonsense-Kilometer-Regel vereinbar? Naja, vielleicht. Der zweite Blick auf die Karte verriet, dass es von Bagneres-de Bigorre tatsächlich über die hässliche Ostauffahrt des Tourmalets nach Luz-St. Sauveur ginge. Die Option, von Bagneres-de Bigorre auf den Tourmalet zu radeln, schien unattraktiv. Und auch die Option mit den Birdmobil über den Tourmalet zu fahren, um ihn dann von Westen aus zu radeln oder hoch nach Luz Ardiden zu strampeln, musste Ch. Beyer nicht nur als Nonsinn, sondern als Wahnsinns verwerfen.

Recalculating… also, dann eben ganz anders: Freitag Hautacam, Samstag Bauernmarkt plus Aubisque plus Lourdes und Sonntag Pont d‘Espagne und weiter an den Atlantik. Ein wenig enttäuscht ist Ch. Beyer schon. Doch anderseits nehmen ihm die Umstände die Qual der Wahl. Es bleibt nichts anderes übrig, als das zu fahren, was von Pierrefitte-Nestalas aus geht. Und auch das, was geht ist alles sehr beeindruckend. Und wer weiß: Wunderschön ist es hier in Pierrefitte-Nestalas, offener, weitläufiger und aufgeräumter als in Bourg d‘Oisans in den Alpen. Vielleicht besteht daher die Möglichkeit, irgendwann wieder zu kommen, um die restlichen Passstraßen zu fahren. Und vielleicht will der ein oder andere gar mitkommen: Interessenten können sich jetzt schon warm fahren.

Anmerkung der Regie: Ein wenig Satire findet sich in Ch. Beyers Blog Beiträgen durchaus. Die Göttergattin, auch wenn sie bisweilen spitzwinklig dargestellt wird, meistert die, wenn auch reizvollen, Quälereien bravourös. Eigentlich hat sie es nur schwer damit, dass Ch. Beyer ständig plant und umplant. Crew Ressource Management. Berufskrankheit. 


2 Comments

  1. DiGuudeFee18

    I ❤ Chuck. Diese Berichte sin einfach nur geilo. Chuck goes Insta wär xtreem fresh, das wär dann auch für mich ein Grund dort einzusteigen. Keep on pushing chuck-family, viele Grüße an die Göttergattin mit die kaldn fäis!

  2. Muddi

    Da hast Du ja echt Luxusprobleme, die ich mit Enkeln und Rentner nicht nachvollziehen kann. Aber es ist trotzdem spannend immer wieder die Berichte zu lesen mit welchen Problemen du tatsächlich immer wieder konfrontierst wirst.
    Aber ich will nicht jammern ich bin auch zufrieden, wenn es allen gut geht.

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