Die große Degustation.

Zwei Monate frei und doch viel zu wenig Zeit. Man sollte annehmen können, dass acht Wochen ausreichen, um das französische Nachbarland zu erkunden. Doch weit gefehlt. Ch. Beyer und die Göttergattin können nicht einmal den wenigen Stationen, an denen sie verweilen, hinreichende Hingabe widmen. Dabei bleiben sie an diesen Stationen im Schnitt vier Tage, solange wir unsere asiatische Freunde für eine Pan-Europa-Tour benötigen: London, Paris, Rom und Schloss Neuschwanstein.

Eine Stunde zu Fuß durch Bayonne, eine halbe Stunde an der Küste von Biarritz auf dem Rad und nun eine halbe Stunde zu Fuß in Donostia (San Sebastian). Okay, zugegebenermaßen dauerte die Anreise wieder einmal etwas länger: Aus der kürzesten Verbindung mit 36 Kilometer konnte Ch. Beyer eine Route von immerhin 54 Kilometern und etlichen Höhenmetern basteln. Doch die Küstenkordillere konnte er einfach nicht auslassen. Und seiner Meinung nach lohnte sich der Aufwand, zumal dieser knapp 20 Kilometer messende Umweg radfahrtechnisch das einzig Schöne an diesem Tag war. Die mit Komoot geplante direkte Route, die die beiden zumindest auf dem Rückweg wählten, führte über zweispurige und verkehrsreiche Bundesstraßen sowie stark frequentierte Ortschaften: Die Kehrseite der Medaille in den auch noch so schönen Urlaubsregionen. 

Das Tagesresümee sah dann wie folgt aus: Start war um 10:30 Uhr. Nach viereinhalbstündiger Anreise kamen Ch. Beyer und seine Göttergattin um 15:00 Uhr in Donostia an. Hunger hatten sie auch und so ging eine weitere Stunde für das Mittagessen drauf, was aber eine sehr leckere Investition war. Um 19:00 Uhr sollte es dunkel werden und mit Zeitpuffer waren zweieinhalb Stunden Rückreise einzuplanen. Nach Adam Riese blieb also eine halbe Stunde für das Städtchen Donostia über. Deprimierend, nicht wahr?

In solch ernüchternden Situationen hat man eigentlich nur eine Wahl: Man muss die Situation uminterpretieren. Ihr eine andere Bedeutung geben. Denn damit kann man sich — und andere — wieder glücklich machen. Das glauben sie nicht, liebe Leser, dass man sich so leicht bescheissen kann? Und ob! Das ist eine Kerneigenschaft vieler glücklicher Menschen. Gucken Sie sich einfach den TED-Talk von Dan Gilbert an: „What makes us happy?“, den Ch. Beyer bestimmt schon in dem ein oder anderen Zusammenhang hier auf redness.de zitierte. Hierin heißt es, dass wir Menschen natürliche Glücklichkeit erfahren, wenn wir bekommen, was wir wollen. Und wenn wir nicht bekommen, was wir wollen, dann synthetisieren wir uns Glücklichkeit. Und das Uminterpretieren ist nach Ansicht von Ch. Beyer ein effektiver Weg, um Glücklichkeit zu synthetisieren. Übrigens, wer Glücklichkeit nicht synthetisieren kann, ist schlecht drauf oder gar krankhaft depressiv.

Zurück zur Frankreich-Reise: Wir dürfen konstatieren, dass Ch. Beyer und seine Göttergattin dem schönen Land mit seinen wunderbaren Regionen in der kurzen Zeit nicht gerecht werden können. Das macht aber nichts. Die beiden sehen das Ganze als große Degustation, wie die Franzosen eine Weinprobe nennen. Denn die Regionen, die den beiden am Besten schmecken, werden sie die nächsten Jahren nochmals separat bereisen. 

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