Win, Win, Win, Loose, Win, Win, Win.


Was bleibt einem schon anderes über. Die Göttergattin möchte noch nach Aix zum Shoppen. Die Geschäfte öffnen vormittags 
zwischen 10:00 Uhr bis 13:00 Uhr, ehe sie zwei Stunden Mittagspause machen. Vom Stellplatz im beschaulichen Örtchen Greaux sind es gut 30 Minuten bis in den Centre Ville von Aix und ein Parkplatz für das knapp drei Meter hohe und fünf Meter lange Birdmobil ist dann noch lange nicht gefunden. Nachmittags shoppen ab 15:00 Uhr ist nicht, denn es soll ja noch ans Meer bei Saint Raphael gehen und die Rezeption des Campingplatzes schließt um 18:00 Uhr. Wenn sich Ch. Beyer und die Göttergattin die Autobahnmaut sparen wollen, sind es von Aix drei Stunden Autofahrt bis nach Saint Raphael. Das bedeutet wiederum Frühstück um 8:30 Uhr, Abspülen, Zähneputzen, Defäkation, Abfahrt um spätestens 9:30 Uhr, Shopping ab 10:00 Uhr, Café um 13:00 Uhr, Abfahrt, unterwegs Wasser und Sprit kaufen, Einchecken vor 18:00 Uhr, Abendessen, Zähneputzen, Blase entleeren, Blog schreiben und ab in die Heia.

So schaut‘s aus, liebe Leser. Von wegen Lotterleben! Und das alles wiederum bedeutet, dass Ch. Beyer noch im Dunkeln los muss, wenn er von Greaux aus noch irgendwie auf den Kopf des großen Puechs möchte. Warum will er da hoch, könnten Sie sich fragen? Na, Sie wissen schon, was Sir Edmund Hillary dazu gesagt hat – weil der große Puech eben gerade da war.

Ch. Beyer hatte keine Ahnung, was ihm der Puech zu bieten hatte und was am Gipfel anzufinden war. Mit seinen 700 Höhenmetern ist der Puech auch nicht sonderlich hoch. Aber er war der nächste Berg, auf den Ch. Beyer hochrennen konnte. Und so ging es eben im Dunkeln los.

Nur nicht beirren lassen, war die Devise: Nicht von defekten Straßenlaternen, bellenden Kötern, verschlafenen Autofahrern und Schrotschüssen der Jäger. Einfach weiter, um zu sehen was am Puech kommt, beziehungsweise dort ist.

Ch. Beyer rechnete mit 90 Minuten, also 45 Minuten bergauf und dasselbige wieder bergab. Die Göttergattin sollte nicht warten müssen. Unterwegs zeichnete sich rasch ab, dass das nicht zu schaffen war – was bei Ch. Beyers Planungen eigentlich immer der Fall ist. Somit stellte sich die Frage, wie viel schneller Ch. Beyer bergab als bergauf rennen konnte. Waren 50 Minuten bergauf und 40 Minuten bergab realistisch, oder gar 55 Minuten hinauf und 35 Minuten hinab. Nachdem der Gipfel greifbar war, wagte Ch. Beyer trotz fortgeschrittener Zeit eine Verlängerung auf 50 Minuten bergauf. Und nachdem der große Puech bei Morgendämmerung tatsächlich unglaublich schöne Ausblicke auf Aix, den Saint Victoire Gebirgszug und Marseille im Angebot hatte, verweilte Ch. Beyer weitere fünf Minuten auf dem Gipfel. Also nur noch 35 Minuten für bergab.

Demnach ging es im Schweinsgalopp zurück. In der Tat kam Ch. Beyer gerade noch im 90 Minuten Intervall pünktlichst am Stellplatz an.

Win: Den inneren Schweinehund überwinden.

Win: Mit Morgendämmerung auf dem Gipfel überrascht werden.

Win: Die Göttergattin mit Pünktlichkeit beglücken.

Nun aber zum Loose. Den weiteren Zeitplan konnten Ch. Beyer und die Göttergattin kaum einhalten. Insbesondere der morgendliche Verkehr von Aix sorgte für Verzögerungen. Ein Glück, dass es dann ganz in der Nähe des Zentrums einen Parkplatz gab – ohne Höhenbeschränkung. Ch. Beyer bog mit dem Birdmobil um einen Baum nach scharf rechts ab, entsprechend 270 Grad Den herunterhängenden Ast identifizierte Ch. Beyer rasch als Gefahrenquelle. Jedoch verschätzte er sich: Bei Kurvenfahrt ist der Radius der Hinterachse des langen Birdmobils ist eben deutlich kleiner als der der Vorderachse. Und Schwuppsdiwupps war das Birdmobil um eine unschöne Narbe reicher. Eindeutig ein Loose für Ch. Beyer.

Zum Glück reagierte Ch. Beyers Schwester, die Besitzerin des Campingmobils, sehr gelassen. Sie sprach von einem „Gebrauchsgegenstand, der nicht unbedingt repariert werden müsse“. Wahrscheinlich war sie schon beim Verleih des Birdmobils auf das Schlimmstes gefasst gewesen, denn Ch. Beyer hatte in der Familie bereits mehrere Fahrzeuge individualisiert. Man sollte ihm im Zweifelsfall doch nur ein Fahrrad geben. Dennoch herzlichen Dank an das Schwesterherz für die Nachsicht!

Der verbleibende Tag gestaltete sich dann wieder erfreulich:

Win: Picnic mit besten Blick auf den Saint Victoire. Kein Wunder, dass der Maler Cezanne so schöne Bilder zauberte.

Win: Delikatessenladen mit lokalen Köstlichkeiten in der Nähe der Tankstelle bei Saint Maximin. Die Franzosen stehen voll auf Bio und regional. Und Ch. Beyer glaubt auch, dass im Hinblick auf Gesundheit und Umweltschutz der Mehrpreis eine gute Investition ist. Das hat sich Vorzeigetriathlet Jan Frodeno übrigens von Ch. Beyer abgeguckt und spricht von „Brutal regional!“. Was daran wohl „brutal“ sein könnte? Newspeech? 1984? Ach, Ch. Beyer möchte sich in Verknüpfungen verlieren.

Und der letzte Win des Tages: Wunderschöner Campingplatz am Meer bei Saint Raphael. Ein bisschen voll. Ein bisschen deutsch. Doch langsam müssen sich Ch. Beyer und die Göttergattin wieder an das Heimatland und seine Bewohner gewöhnen.

One Comment

  1. Muddi

    das sind ja wieder mal tolle Photos,
    hoffentlich bringt ihr die ganzen Einkäufe enschließlich der Weinflaschen unter auf der Heimfahrt.
    Ein Auto war ja für den ganzen Beyerclan immer nur ein Fortbewegungsmittel, kein Vorzeigegegenstand, im Gegensatz zur ganzen Fahrradarmada, die sind da schon wichtiger.
    Also wegen ein paar solcher Schrammen brauchst Du dir keinen Kopf machen.

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