Touristenfalle.


Endlich waren sich Ch. Beyer und seine Göttergattin auf Anhieb einig. Keine Meinungsverschiedenheiten, keine Diskussionen, keine Kompromisse. Dabei war es für beide schwer, dieses Gefühl genauer zu fassen und es in Worte zu packen. Was war es, was Ihr Unbehagen auslöste? Warum wollten sie möglichst schnell wieder weiter? Doch egal: Einig waren sie sich!

Lange hatten sie Ch. Beyer und die Göttergattin überlegt, ob sie in ihrer Abschlusswoche in Frankreich nochmals an die Cote Azur oder in die Provence reisen sollten. Für die Cote Azur sprach, dass sie dort auf ihrer Reise noch nicht gewesen waren, außerdem die zweistelligen Temperaturen nachts und das Meer. Für die Provence sprach, dass sie dort auf ihrer Reise schon gewesen waren und es dort schön war. Männerargument, nicht wahr? Doch auch die Göttergattin griff es auf.

Die Entscheidung für die Cote Azur fiel also nach Langem hin und her. Doch als Ch. Beyer und die Göttergattin dort ankamen, merkten sie schon, dass sie es dort vermutlich nicht lange aushalten würden. Die Cote Azur, das war rasch klar, ist eine Touristenfalle. Dabei war es gerade am Lac du Bourget und in Saint-Jean-de-Luz auch touristisch, ebenso wie in den anderen Regionen, die die beiden in Frankreich bis dato besucht hatten. Doch irgendwie war es an der Cote Azur unangenehm anders.

Woran lag es? Waren die vielen deutschen Urlauber am Campingplatz, die weder „Bonjour“ noch „Hallo“ zu erwidern wussten? War es der massive Verkehr an der Küste, dem kaum zu entkommen war, nachdem es kein vernünftiges Hinterland gab? Waren es die Verkäufer am Wochenmarkt, die nur Geschäfte auf Kosten der Kundschaft machen wollten? Gerade bei Letzterem fiel Ch. Beyer und der Göttergattin der Unterschied zur Atlantikküste besonders auf. In Saint-Jean-de-Luz und Bayonne priesen die Verkäufer stolz ihre eigenen Produkte an, nahmen sich Zeit für ausführlichste Erläuterungen zum Verzehr der Köstlichkeiten und interessierten sich wirklich dafür, woher ihre Kunden kamen und was sie so trieben. Auf dem Wochenmarkt in Saint Aygulf gerieten Ch. Beyer und die Göttergattin als erstes in die Fänge des Wursthändlers: „Bei dieser Saucisson kostet das Kilo 80 Euro. Die Wurst wiegt 500 g, macht also 40 Euro. Ich gebe sie Euch für 30 Euro. Außerdem dazu noch diese, und diese und diese kleinere Saucisson. Ach was, Ihr wollt lieber die Saucisson mit Gänseleber? Kein Problem! Die gebe ich Euch für 30 Euros noch oben drauf. Ihr seid heute meine ersten Kunden.“ Keine Frage, die Saucisson war ausgezeichnet, aber dieses Geschachere gab es auf den anderen Märkten nicht: Dort waren die Waren Wert, was sie kosteten, nicht weniger und nicht mehr. Da die französischen Wochenmärkte zu einem Ritual für Ch. Beyer und die Göttergattin geworden waren, wog dieses Erlebnis natürlich umso schwerer.

Weiterhin spekulierten die beiden, warum es an der Cote Azur so anders war, als in den anderen französischen Regionen. War es das trockenere Klima, was mehr ausländische Touristen anzog, oder die Nähe zu Zentraleuropa. Biarritz sind doch nochmals fünf zusätzliche Stunden Autofahrt. Doch wie dem auch immer sei, die Erklärungsversuche machten das Erlebnis nicht besser. Und selbst wenn der wirklich schöne Campingplatz mit dem ersten vernünftigen Wifi in Frankreich schon bezahlt war und Ch. Beyer und die Göttergattin noch einige wenige verkehrsarme Strässchen ausmachten, so fiel die Entscheidung leicht, nochmals in die Provence zurück zu kehren. Der Urlaub ist zu kurz, ihn an unangenehmen Orten zu verbringen. Das Leben auch. Keine Ahnung, warum es Musk und Branson ins All zieht.

Ach ja, liebe Leser, vergessen Sie bitte alles Schöne, was Ch. Beyer über Biarritz, Bayonne und Saint-Jean-de-Luz zu berichten wusste. Eigentlich war es dort gar nicht so schön. Wenn sich Ch. Beyer es recht überlegt, war es dort viel zu touristisch, fast ein wenig hässlich. Fahren Sie lieber woanders hin, zum Beispiel an die Goldküste, auf die Insel Rab oder an die Cote Azur. Dann werden sie auch keinem grimmigen Ch. Beyer über den Weg laufen. Ziemlich sicher nicht.

Übrigens hat Ch. Beyer durchaus vor, noch einen Abschlussbericht zur Grand Boucle von ihm und seiner Göttergattin mit Birdmobil und Fahrrädern zu Papier zu bringen. In der Provence nähern sich die Temperaturen nachts aktuell gefährlich dem Gefrierpunkt, nicht nur außerhalb, sondern auch im Birdmobil, das keine Standheizung besitzt. Ch. Beyer könnte daher damit beschäftigt sein, die Füße der Göttergattin zu wärmen. Der Abschlussbericht könnte sich also ein klein wenig verzögern. Also, à bientot!

4 Comments

  1. Carmen G. geb. V.

    Pffff lustig, glaube du musst wieder mehr radfahren. Das liest sich ja schon fast wie ein normaler Reiseblogg von nem spiessigen Rentner! HA! Kommt bald heim, we miss you! Bussi!

  2. Christoph Schreyer

    Das ist mir zu viel bashing gegen die Cote d´Azur. Einen besseren Platz zum Rennradfahren gibt es einfach nicht. Die Kombi aus Meer und Bergen ist unschlagbar :-). Aber wie du schreibst, wir müssen uns ja dort nicht über den Weg laufen/fahren 😉

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